Leserbriefe

Vorurteile gegenüber Asylbewerbern?

08.10.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jochen Findeisen, Schlaitdorf. Zum Leserbrief „Flüchtlinge und Eigentum“ vom 23. September. Der Autor dieses interessanten Leserbriefes findet es „bedenklich“, wenn in unserem „beschaulichen Ländle“ Asylantenheime brennen. „Bedenklich“ ist eine verharmlosende Beschreibung von Straftaten, die nach ihrem Unrechtsgehalt vom Gesetz als Verbrechen angesehen werden. Wer aber Verbrechen begeht, ist ein Verbrecher! Der Autor des Leserbriefs fürchtet (leider) nicht ganz zu Unrecht, dass „aus Wut und Zorn der Bevölkerung Flächenbrände“ entstehen. Will er die Leser etwa glauben machen, dass das kriminelle Gesindel, das mit Brandstiftungen droht, von weiteren Verbrechen Abstand nimmt, wenn die Bundesrepublik Deutschland keine (muslimischen) Flüchtlinge mehr aufnimmt?

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein freiheitlicher, demokratischer und sozialer Rechtsstaat. Das Asylrecht ist ein in unserem Grundgesetz festgeschriebenes Grundrecht. Niemand darf an Grundrechten rütteln! Wer sich von Verbrechern erpressen lässt, muss damit rechnen, dass diese dadurch ermuntert werden, weitere Forderungen nach Einschränkungen der Rechtsstaatlichkeit zu präsentieren. Wenn der Autor sich nicht vorstellen kann, mit Leuten aus einem anderen Kulturkreis unter einem Dach zu leben, so ist dies – gelinde gesagt – unverständlich. Geht er deshalb – wie Hunderte deutscher Landsleute auch – nicht nach Hammamet in den Urlaub, weil er damit rechnen muss, dass sein Hotel auch von Tunesiern besucht wird? Schaut er keine Produkte der amerikanischen Unterhaltungsindustrie im Fernsehen an? Geht er nicht gerne in das griechische Lokal um die Ecke und genießt dort die freundliche Bedienung und das gute, preiswerte Essen?

Der Autor dürfte einer Generation angehören, die sich schon lange von den Vorurteilen befreit hat, die er in seiner Jugend oftmals hörte. Oftmals ist er wahrscheinlich schon über den Brenner gefahren oder hat bei Straßburg den Rhein überquert. Sicher hat er dort viel Neues und Interessantes gesehen mit Ausnahme der „dreckigen“ Italiener oder der Franzosen, die anstatt „ebbes zu schaffen“ Wein, Weib und Gesang genießen, wie er dies noch von Angehörigen der Generation seiner Großeltern hörte. Die Befürchtung, dass beim Leben unter einem Dach die Ehefrau des Autors bei dem muslimischen Mitbewohner um Genehmigung zum Kochen eines Schweinebratens einholen muss, soll wohl ein Witz sein – aber kein guter! Natürlich gibt es auch unter Muslimen ungezogene Rüpel, aber es kommt sehr selten vor, dass gerade Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe gegen die Regeln der Gastfreundschaft verstoßen.

Leserbriefe

Schulen können selbst bestimmen

Heinz Vogel, Oberboihingen. Zum Artikel „Vorletzter bei Ganztagsschule“ vom 18. Oktober. Interessant, dass jetzt die Bertelsmann-Stiftung bestimmt, was gut und was schlecht ist. Zu den Fakten: Die Einführung einer Ganztagsschule im Ort bestimmt laut Gesetz der Schulausschuss einer Schule,…

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