Leserbriefe

Von den Guten und den Bösen

03.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heinrich Freer, Nürtingen. Wohl den Eltern, an deren Wohnort ein Kasperlestheater gastiert, denn meist preisen die Schulen diese Bühnen als pädagogisch wertvoll an, also warum nicht? Die Kinder machen begeistert mit, denn sie kennen das Kasperle als pfiffigen Welterklärer und Problemlöser, der den plumpen „Guten“ hilft, wenn die „Bösen“ als böses Krokodil, Räuber oder der Teufel selbst in Erscheinung treten. Natürlich kann Kasperle nur dann gewinnen, wenn ihm die Kinder bei seinem edlen Wirken helfen und die ganze Schar brüllt „Kasperle, pass auf!“, wenn das Krokodil aus dem Gebüsch guckt.

Die Regierenden in diesem Lande sind zurzeit ähnlich geplagt wie die Eltern unbotmäßiger Kinder. Die schwarz-gelbe Koalition zeigt jeden Tag aufs Neue, dass sie sich von dem Prinzip „Nimm den Armen, gib den Reichen“ leiten lässt. Das „Sparpaket“ folgt diesem Prinzip. Hunderttausende protestieren gegen dieses Paket und gingen und gehen deshalb in Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Kiel und anderswo auf die Straße. Ebenso demonstrieren Hunderttausende gegen das Milliardenprojekt Stuttgart 21.

Somit müssen die Bürger wieder von der Straße geholt werden und viele „Kasperlestheater“ werden geöffnet, die nur der Ablenkung dienen. Es geht hier nicht um die Abwehr von Krokodilen und Konsorten, sondern darum, den Bürger mit altbekannten Stereotypen zu unterhalten und von der Verfolgung seiner eigenen Interessen abzuhalten. Entlassene Sicherungsverwahrte, Islamisten, Waffenbesitzer, Pädophile und Terroristen – es sind immer die gleichen „Bösen“ wie im Kasperletheater.

Hart durchgreifen, Gesetze verschärfen, einsperren, wegschließen, Eingriffe in Grundrechte gestatten, das sind die abgedroschenen Patentrezepte, mit denen man aber zum Glück die Bürger nicht mehr beeindrucken kann. Diejenigen, die uns sagen wollen, wovor wir Angst haben müssen, und gleich die Rezepte zur Bekämpfung der von ihnen entdeckten Gefahren mitliefern, sind selbst im höchsten Maße furchterregend!

Wer unter dem Vorwand der Gefahrenabwehr den freiheitlich-demokratischen, sozialen Rechtsstaat abschaffen will, wer nicht erkennt, dass der ungezügelte Raubtierkapitalismus die größte Bedrohung für die Menschheit und die Umwelt darstellt, der möge schauen, ob er vielleicht in einem umherziehenden Kasperlestheater kleine Kinder mit seinen Schauermärchen unterhalten kann.

Leserbriefe

Die Gutmenschen und die Bundesregierung

Günther Ackermann, Wendlingen. Die Reisewarnung für Gambia wurde vom Auswärtigen Amt am 21. Januar 2017 aufgehoben. Seit der neugewählte Staatspräsident Adamo Barrow Ende Januar 2017 sein Amt übernommen hat, „hat sich die Lage und das tägliche Leben in Gambia normalisiert“, schreibt das…

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