Leserbriefe

Von den Dänen können wir lernen

18.11.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Standesbeamte wollen auch scheiden dürfen“ vom 14. November. Der Vorschlag des „Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten“ ist gut, ist richtig, ist überfällig. Er würde viel völlig unnötiges menschliches Leid lindern oder verhindern. Er wird aber scheitern, so wie es ähnlichen Bemühungen schon vor 30 Jahren erging. Warum? Na klar, es geht um die Kohle!

Die deutsche Scheidungsindustrie ist ein milliardenschweres Unternehmen, an dem Anwälte, Richter, sowohl die frauenbestimmte Helferindustrie als auch willfährige „Gut“achter sich eine goldene Nase verdienen. In allen Parlamenten haben letzten Endes Juristen das Sagen. Die werden ihre Klientel in der Lobby und „draußen im Land“ nicht verhungern lassen. Es geht auch anders.

Das vorgeschlagene Verfahren wird seit Jahrzehnten in Dänemark erfolgreich praktiziert. Ein dänischer Familienrichter schilderte mir vor einem Vierteljahrhundert Folgendes: Die Eheleute, die eine Scheidung im Guten wünschen, gehen zum Scheidungsbeamten, der überparteilich beide berät. Er verlangt einen gemeinsamen Vorschlag, wie sich die beiden die Zukunft vorstellen. Zeigt beiden die jeweiligen Vor- und Nachteile ihres Vorschlags auf. Gegebenenfalls schickt er sie nach Hause, um gemeinsam den Vorschlag zu überarbeiten und wiederzukommen. Und, ganz wichtig: Der gemeinsame Entschluss über den Verbleib der Kinder, Umgang, Unterhalt wird akzeptiert!

Es gibt keine Regelabfrage bei den Jugendämtern, es gibt keinen Anwalts-, keinen Gerichtszwang! Unvorstellbar, welche Kapazitäten bei den Gerichten und Jugendämtern in Deutschland so freigesetzt werden würden! Eine Scheidung in Dänemark kostet 500 Kronen, (Stand 2011) wenn man sie bei der Staatsverwaltung bearbeiten lässt. Und in Deutschland? Oje. Womit wir wieder bei den Interessenvertretern wären. Die Bedenken der Familienrechtlerin (Juristin) Esther Groß-Roder aus Fulda sind so alt wie die Scheidungsverfahren als Verdienstquelle. Wie meinte mein von allen hoch geachteter Anwalt aus dem hiesigen Raum während einer gemeinsamen Fahrt zum OLG Stuttgart: „Eigentlich müssten wir Juristen unsere Finger aus Familienverfahren raushalten. Wenn wir dazukommen, wird alles nur noch viel schlimmer.“ Für Leute, die unbedingt streiten wollen, gibt es auch in Dänemark Familiengerichte und -anwälte. Selber schuld. Etwa die Hälfte aller Scheidungsfälle bei unserem nördlichen Nachbarn gehen friedlich und mit geringen Kosten über die Bühne.

Leserbriefe

Verkehrsprobleme werden nicht gelöst

Raimund Popp, Nürtingen. Zum Artikel „Der Sieger kommt aus der Schweiz“ vom 20. September. Bevor die Umsetzung der Bahnstadt beginnt, muss der Kreuzungsknoten beim Amtsgericht nachweislich gelöst werden. Eine kleine Übersicht zum Plan der Bahnstadt: alle östlichen Häuser direkt an den…

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