Leserbriefe

Vesperkirche muss keine Konkurrenz sein

12.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zu den Leserbriefen „Wirte sind sauer auf die Vesperkirchen“ vom 23. Dezember und „Gaststätten und Vesperkirche“ vom 30. Dezember. Von Frau Anna Wipper, der Schwester meines Vaters, die unmittelbar nach dem Krieg den Stuttgarter Caritasverband (CV) aufgebaut hat, kenne ich aus erster Hand die Prinzipien kirchlicher Sozialarbeit. Im Zuge der Namensuche für meine später nach Fritz Ruoff benannte Schule habe ich vor 20 Jahren diese Tante zur Person und Vita von Anna Haag befragt, die sich damals parallel zu CV, Diakonie und Awo um Hilfe und Aufbau bemüht hat. Ich hörte nur einen Hinweis: „Während manche Damen der Gesellschaft mit den Ehefrauen hochrangiger amerikanischer Offiziere beim Tee über soziale Projekte diskutiert haben, haben wir im CV vom Morgen bis in die Nacht die Gaben der Amerikaner an Heimkehrer, Flüchtlinge, Alleinstehende, Ausgebombte, Obdachlose und Verarmte verteilt.“ Das habe ich als kleiner Junge selber bei der Tante erlebt, mit Szenen und Figuren aus Borcherts „Draußen vor der Tür“ zum Greifen nah. Die Gerüche von Erdnussbutter, Milchpulver, Blockschokolade, fremdartiger Marmelade und Kleidung mit Mottenschutz geben mir noch heute stets dieselben Erinnerungen.

Das Prinzip des Helfens war bereits damals Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe, lange bevor dies Eingang in die politische Diskussion gefunden hatte. In der Diskussion um die Vesperkirche wäre diese Leitlinie ebenfalls hilfreich. Christliche Gemeinschaft ist zuerst eine Mahlgemeinschaft. Unsere Religion, konfessionsunabhängig, ist eine des miteinander Essens. Das sollte aber nicht nur drei Wochen lang attraktiv sein, sondern immer. Mahlgemeinschaften gibt es im Tagestreff und in der Kulturkantine, werktags, ganz unspektakulär, mit Willkommensein, miteinander Reden und Helfen. Die Kirchen tun das am Sonntag, liturgisch ritualisiert, als Sammlung zu Gott hin. Diese Vertikale der Gottesbeziehung muss gekreuzt werden von der Horizontalen der Menschenbeziehung. Dabei sollte aber nicht denen, die jahraus, jahrein mit knapper betrieblicher Kalkulation Menschenhilfe leisten, drei Wochen lang Konkurrenz gemacht werden. Man kann auch Vesperkirche sein, indem man Menschen zu sich nach Hause zum Essen einlädt oder ihnen im Gasthaus ein Essen schenkt, ob mit Bons oder spontan beim Ausgehen. Das ließe sich anstoßen. Zusammen mit der Gastronomie, denn „wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

Leserbriefe

Gambia ist kein sicheres Herkunftsland

Sem Schade, Wendlingen. Zum Leserbrief „Einwanderer aus Afrika und Migrationspaket“ vom 6. Dezember. Herr Hummel hat das Gefühl, angelogen zu werden und ich würde hierfür gerne ein paar Anstöße setzen, da ich mich intensiv mit der politischen Lage in Gambia auseinandergesetzt habe.

Gambia…

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