Leserbriefe

Verwirrende Post vom Finanzamt

11.10.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christian Bürk, Nürtingen. Nürtingens Behörden sind (wenn ich die letzten 12 Jahre einmal Revue passieren lasse) im Allgemeinen nicht schlecht ausgestattet, leistungsfähig und bürgerfreundlich. Manchmal staune ich aber schon, was einem seitens der Behörden so widerfährt.

Anfang 2011 wurden die Steuerzahler durch die Medien darüber informiert, dass das Finanzamt in diesem Jahr neue EDV-Programme einführt und sich die Bearbeitung beim Finanzamt daher länger hinziehen könnte. Dies berücksichtigend, haben wir unsere Unterlagen bewusst erst spät persönlich eingereicht, um hier für Entzerrung zu sorgen. Nun haben wir gestern – nach fast 4 Monaten Bearbeitungszeit – unsere Belege zurückerhalten. In dem freundlichen Begleitbrief mit den üblichen Angaben wie Datum, Kontaktperson, Telefonnummer und so weiter wurde mitgeteilt, dass der Steuerbescheid leider erst in etwa zwei bis drei Wochen komme. So weit, so gut.

Heute, nur einen einzigen Tag nach dem erwähnten Schreiben, erhielten wir erneut Post vom Finanzamt. Undatierter Brief, keine Angabe zur Kontaktperson, nichts dergleichen. Inhalt in Steno: „Sie haben Ihre Unterlagen für 2010 noch nicht abgegeben“ (falsch), „Sie werden von einem Steuerberater beraten“ (auch falsch), „Sie genießen daher allgemeine Fristverlängerung bis 31. 12. 2011“ (ebenso falsch). „Es wird gebeten, die Unterlagen doch bitte fristgerecht bis 31. 12. 2011 abzugeben. Falls Unterlagen bereits abgegeben wurden, betrachten Sie dieses Schreiben als gegenstandslos“ – war das die Entschuldigung für den Unsinn in den vorigen Sätzen?

Tolle neue EDV-Programme, tolle „workflows“, tolle Texte. Ich dachte, solche EDV-Projekte würden im 21. Jahrhundert in Vorprüfungen mit „Dummys“ getestet und es würden passende Texte formuliert. So einen Unfug gab es früher (zumindest vom Finanzamt) nicht, denn dort geht es ja meistens um Geld. Schade um das Honorar für die sogenannten EDV-Experten, die Schulungsmaßnahmen für die Behördenmitarbeiter, das Porto, das Papier und die wegen der EDV-Umstellung verlorene Zeit. Wir sind nun besonders gespannt auf den Bescheid und werden ihn sicher mehr als einmal studieren.

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