Leserbriefe

Verordnung mit Mängeln

29.10.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Ostertag, Bissingen/Teck. „Die Winterreifenpflicht werden wir weiter präzisieren“: Diesen Satz findet man im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom Dezember 2013 auf der Seite 45. Drei Jahre vorher trat die vom damaligen Verkehrsminister Peter Ramsauer auf den Weg gebrachte Winterreifen-Verordnung in Kraft.

Drei Stichworte wären zu nennen, die Anlass zu Kritik an dieser Verordnung geben: Kennzeichnung, Profiltiefe, Alter. Zum Thema ein praktisches Beispiel: Ein Pkw, ausgerüstet mit über zehn Jahren alten Winterreifen, die knapp über 1,6 Millimeter Profiltiefe aufweisen, bleibt liegen und behindert den Verkehr. Der Fahrer spricht von Schicksal und verweist auf seine den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Winterreifen.

Leider sind die Kriterien für eine Zulassung als Winterreifen in Deutschland nicht genau festgelegt. Es genügt eine Kennzeichnung M+S, obwohl diese Bezeichnung nicht geschützt ist und aus Gründen der Verkaufsförderung teilweise an importierten Reifen mit keinerlei Wintertauglichkeit zu finden ist. Besser ist man dran, wenn auf dem Reifen zusätzlich zu M+S das Schneeflockensymbol erkennbar ist. Damit wird eine spezielle Wintertauglichkeit kenntlich gemacht. Diese auch Alpine-Symbol benannte Kennzeichnung soll bis 2017 die Buchstaben M+S ablösen.

Punkt zwei der Kritik betrifft die Mindestprofiltiefe. Warum nur 1,6 Millimeter wie bei Sommerreifen? Für Winterreifen ein Witz. In Österreich gelten M+S-Reifen unter vier Millimeter Profiltiefe nicht mehr als Winterreifen. Im Gespräch ist auch, für die erlaubte Verwendung von Winterreifen ein Höchstalter festzulegen. Grund dafür die nachlassende Griffigkeit infolge Aushärtung der Gummimischung mit fortschreitendem Alter. Denkbar wäre ein Limit von zehn Jahren. Das eingangs erwähnte Versprechen der „GroKo“ macht also durchaus Sinn und sollte möglichst bald eingelöst werden.

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