Leserbriefe

Unangemessene Spiegelfechterei

23.01.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manuel Werner, Nürtingen. Zum Kommentar „Psst“ vom 15. Januar. Rainer Wehaus ist offensichtlich aufgebracht, dass ein Wort, das gezielt Stimmung gegen gesellschaftliche Gruppen macht, nun zum Unwort des Jahres gekürt wurde, das Wort „Sozialtourismus“. Statt der Jury oder „Europa“ – was auch daneben wäre – greift er in seinem Kommentar lieber die „Flüchtlingspolitik in Deutschland“ an, ein sehr schwammiges Feindbild mithin, das er wohlweislich nicht näher präzisiert, und wirft ihr ein Bemühen vor, „die Dinge auf keinen Fall beim Namen zu nennen“. Hoppla.

Wenn nun also ein offensichtlich heißgeliebtes Unwort enttarnt wird, stilisiert er dies zu einem generellen Begriffs-, Rede-, ja gar „Denkverbot“ hoch. Aha. Er unterstellt – wohl auch „der Flüchtlingspolitik“, was auch immer das ist –, sie bezeichne „alle, die nach Deutschland“ kämen, „neuerdings“ als „hoch qualifizierte Zuwanderer“. Alle? Wer genau soll dies gesagt haben? Wo mag er dies in dieser Ausschließlichkeit wohl gelesen oder gehört haben?

In Wirklichkeit gab es – erschreckend wenige – besonnene Stimmen, die differenzierten und die pauschalen Muster und Diffamierungen enttarnten, sich gegen die Desinformationen wandten, alle, die beispielsweise aus Bulgarien kämen, seien nicht qualifiziert. Bereits dies scheint dem Kommentator gegen den Strich zu gehen. Wie qualifiziert der Kommentator ist, kann man unter anderem daran sehen, dass er schreibt, aus Serbien kämen „noch immer viele Sinti und Roma“ nach Deutschland. Fakt ist, dass von dort kein einziger Sinto kam und kommt.

Dass er Klischees und Ressentiments gegen sie hier völlig ungerechtfertigt offenbar werden lässt, einsetzt und befeuert, dass Sinti gar nichts mit irgendwelcher Einwanderung zu tun haben, ist ihm vermutlich nicht einmal bewusst. Die „Nazikeule“ werde gegen den geschwungen, der „auf die Fakten verweist“, beklagt er sich, wer beschreibe, was ist, gelte als rechtsradikal. Ach wirklich? Im Gegenteil: Der Kommentator schwingt anscheinend die Keule gegen die, die auf die Fakten verwiesen und sie beschrieben.

Zusätzlich kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, als konstruiere er in einem hohen Maß diese Dinge, gegen die er sich dann bitter beklagt. Eine Spiegelfechterei. Mehr noch, er verteidigt und betreibt eine unangemessene Vereinfachung und Pauschalverurteilung, die auf die Ärmsten der Armen zielt, nebenbei gleich auch noch auf die, die ihnen beistehen, und stellt diejenigen, die Stimmung gegen Minderheiten machen, Unwörter benutzen, Minderheiten generell diffamieren, als Opfer hin. Verkehrte Welt.

Leserbriefe

Gar kein großartiges Bahnprojekt

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Nach Wandas Taufe beginnt die Arbeit“, vom 7. Oktober. Mit großer Begeisterung der regionalen Prominenz wurden am Albvorlandtunnel die Bohrmaschinen getauft. Die Wendlinger Geistlichkeit beider großen Konfessionen hat sich für diesen Missbrauch…

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