Leserbriefe

Tierquälerei ist durch nichts zu rechtfertigen

08.05.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Stoll, Wolfschlugen. Zum Kommentar „Resigniert“ und zum Artikel „OB Palmer: Ende der Affenversuche ein Rückschlag“ vom 4. Mai. Ohne Not äußert sich der Tübinger OB zum Ende der Affenversuche am Max-Planck-Institut. Seine Haltung beweist wieder einmal, dass er alles andere als ein Grüner ist. Wären die Grünen noch die Grünen, müssten sie den Herrn Palmer aus der Partei entfernen. Arnold Rieger stellt im Kommentar fest: Die Entscheidung über eine so zentrale Frage, ob der Mensch um seiner Gesundheit willen auch Primaten opfern soll, darf nicht auf der Straße fallen. Ja, wo denn sonst. Ein Tierschutzgesetz, das das Papier nicht wert ist, auf dem es steht, gibt es ja bereits. Nach diesem Gesetz dürfen solche Versuche gemacht werden. Die Versuche gelten als sogenannter vernünftiger Grund. Die Tierethik sagt seit Jahrzehnten etwas völlig anderes. Diese Versuche können nur auf Grund brutaler Gewalt durchgeführt werden. Man klaut oder züchtet Tiere, um sie in diesen Labors zu quälen.

Tiere können sich nicht organisieren und verteidigen. Nur deshalb sind sie Opfer dieser menschlichen Willkür. Es wird uns dabei eine Wertigkeit vorgegaukelt, die es nicht gibt. Wir sind wertvoller als Tiere. Warum eigentlich? Es scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, sich besser oder wertvoller als andere zu fühlen. Dieses Gefühl gibt es auch anderen Menschen gegenüber. Im Moment sind es die Jesiden im Irak, die Christen in Nigeria oder die Palästinenser und noch ein paar andere, die darunter leiden müssen. Ganz zu schweigen von unserer eigenen Geschichte. Herr Logothetis wird jetzt nicht zum Heiligen, weil er die Affen nur noch drei Jahre quälen lässt. Er quält dann eben Nager. Ist das denn moralischer? Der ganze Spuk hätte ein Ende, wenn die Medien sich über die Finanzierung solcher Versuche schlaumachen würden. Die Gremien, die über die Vergabe von Geldern für solche Versuche entscheiden, sind mit „Fachleuten“ besetzt, die selbst Versuche durchführen. Das ist ein Selbstbedienungsladen auf Steuerzahlerkosten. Da es in der sogenannten Grundlagenforschung um Neugier geht, gibt es auch keine Erfolgskontrolle. Dass da jemals etwas Vernünftiges herauskommt, kann man getrost vergessen. Das wissen die Herrschaften auch. Die Begründung, da gibt’s vielleicht mal was gegen Parkinson oder Alzheimer, hört sich gut an.

Die Kirchen versprechen ein Leben nach dem Tod. Die Geldanlageberater versprechen hohe Gewinne. Hört sich gut an. Man kann das drehen und wenden wie man will: Tierversuche sind durch nichts zu rechtfertigen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich meine nicht, dass man Tiere nicht essen darf. Das tun die Tiere untereinander auch. Das ist ein, wenn auch nicht sehr schönes, Naturgesetz. Tierquälereien in Laboren sind kein Naturgesetz.

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