Leserbriefe

Tempo 30 ist nicht die Lösung

03.08.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kuno Giesel, Nürtingen. Zum Artikel „Tempo 30 in der Kirchheimer Vorstadt“ vom 19. Juli. Ein alter Filmklassiker ging mir beim Lesen durch den Kopf: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. Nicht nur nachts, nein auch noch ganztägig während des Berufsverkehrs die Straße künstlich verstopfen? Ein Reuderner hatte mir erzählt, dass er anfangs nicht einschlafen konnte, weil ihm der gewohnte Lärm gefehlt habe. „Seit die Radarmessung steht, herrscht zeitweise nur noch Chaos, Auto an Auto, kein Vorankommen mehr.“ Wie soll das auch funktionieren ohne Ausweichmöglichkeiten? Bei den Menschen ist es ähnlich, wenn langsam die Adern verstopfen, irgendwann kommt es zum Stillstand.

Ein absolutes Halteverbot würde die Durchfahrt verbessern, weniger Stocken im Berufsverkehr, keine Wartezeiten, bis der langsam fahrende Gegenverkehr vorbei ist. Quer durch den Ort ist jetzt oft schneller und kürzer als mit nur 30 Kilometer pro Stunde auf der Hauptstraße. Das ist nicht im Sinn der Sache. Als ich noch an der Neuffener Straße wohnte, hatten wir als eine der Ersten schon Schallschutzfenster. Ging recht gut, solange diese geschlossen waren. Im Sommer, hin und wieder geöffnet, bin ich morgens mit dem Berufsverkehr aufgewacht. Störend waren Fahrzeuge, die sich von der Masse unterschieden; die Zweitakter, die nachts mit Vollgas recht laut vorbeifuhren, aber auch Fahrzeuge mit Sportauspuff, deren tiefe Töne durch die Schallschutzfenster hindurchdrangen. Lkws meist dann, wenn sie über unebene Stellen holperten; Schlaglöcher oder einer der Dolen-Deckel, um die sich der Teer gesenkt hat.

Auch wenn jetzt einige aufschreien, an diesen Lärmursachen sollte der Gesetzgeber ansetzen und für Verbesserung sorgen, solche Störquellen beseitigen. In einem Hotel mit direktem Blick zur B 27 kamen vor Kurzem alte Erinnerungen auf. In der ersten Nacht wurde ich um halb vier Uhr von den Lkws geweckt, in der zweiten Nacht schlief ich schon bis halb sechs, zwei Nächte darauf probierte ich mit offenem Fenster zu schlafen und bin gegen sechs Uhr mit dem einsetzenden Berufsverkehr aufgewacht. Ich weiß, dass dies nicht auf alle Menschen übertragbar ist, manche stört der Lärm nicht, andere werden davon krank. Aber deshalb den Verkehr total ausbremsen? „Oh heiliger St. Florian . . .“ – ob das mit dem Roßdorfbus noch funktioniert, der Takt zur Bahn noch passt, wenn auch die Neuffener Straße auf Tempo 30 reduziert wird?

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