Leserbriefe

Tablets im Unterricht und die Gefahren

18.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jürgen Groschupp, Großbettlingen. Zum Artikel „Hoher Besuch für die Tablet-Klasse“ vom 14. März. Tablet-Klasse – ein Feldversuch mit gravierenden Folgen. Es ist in der Tat ein Feldversuch in Sachen Digitalisierung, wie es im Beitrag heißt. Nirgends würde das Konzept so radikal umgesetzt wie in Neuffen. Es ist aber dadurch auch ein radikaler Feldversuch zu Lasten der Gesundheit der Schüler! Lernen und arbeiten „ausschließlich mit Tablets“. Geradezu erschreckend formuliert der Beitrag, die Realschule leiste „Pionierarbeit“, indem sie im gesamten Schulhaus „WLAN flächendeckend verfügbar“ mache. Standard sei neben der Anschlussmöglichkeit für Tablets und Smartphones auch das Blu-ray-Speichermedium.

Ob den Pädagogen bekannt ist, dass damit – so Kritiker – ohne Wissen des Nutzers der Hersteller Nutzungsprofile erstellen kann? Via Internet erhält er in seinem Interesse – vom Nutzer unbemerkt – Statistiken vom Kunden, ohne ihn darüber zu informieren. Datenschützer sehen darin ein Problem. Aber bei flächendeckender WLAN-Nutzung öffnet man ohnehin jedem Datenschnüffler Tür und Tor. Die Industrie prüft bis ins Detail, was von Interesse ist und der Absatzmarkt hergibt. Auch wenn es angesichts untauglicher Grenzwerte gesundheitsschädlich ist. Eine Übertreibung? Nicht wenn man sich die Studie von Sarah J. Starkey aus 2016 ansieht. Ihr aussagekräftiger Titel: „Fehlerhafte offizielle Bewertung der Sicherheit von Funkstrahlung durch die Beratergruppe für nicht-ionisierende Strahlung“. An einem Beispiel zeigt sie, wie für die Rechtfertigung der Grenzwerte manipulierte Gutachten erstellt werden.

Die Umwelt- und Verbraucherorganisation „diagnose:funk e. V.“ bringt es auf den Punkt: „Dieses Betrugssystem, von der Industrie aufgebaut, ist international“. Dabei gibt es Alternativen. Im Stuttgarter Hegel-Gymnasium läuft bereits ein bundesweiter Pilotversuch im Bereich des digitalen Lernens. Das Fraunhofer-Institut will im Auftrag des Stuttgarter Gemeinderats dort die Funktionsfähigkeit der VLC-Technik erproben: Mit hoher Übertragungsgeschwindigkeit werden über LED-Leuchten Daten ohne Elektrosmog auf Schüler-Laptops übertragen. Das ist der bessere Feldversuch!

Beruhigend und weitsichtig erachte ich die schon jetzt getroffene Feststellung der Schüler in Neuffen, „dass das Tablet in vielen Fächern keinen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Unterricht mit Stift und Papier biete“. Das lässt hoffen und zeigt eine durchaus wache und kritische Sicht der jungen Generation.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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