Leserbriefe

Stuttgart 21 und Nürtingen

06.10.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Leserbrief „Verfälscht Herr Rauscher bewusst?“ vom 1. Oktober. OB Heirich und CDU-Stadtrat Thaddäus Kunzmann brauchen kein Gutachten über einen SBahn-Ringschluss wie die anderen Gemeinden, denn die beiden wissen angeblich genau: „Für Nürtingen (!) bringe das keinen Vorteil“. Das betont Thaddäus Kunzmann in seiner eilends geschriebenen und gleich veröffentlichten Antwort auf den Leserbrief von Peter Rauscher zuvor. Der CDU-Stadtrat Kunzmann belehrt also den Landrat und die Gemeinden, dass Stuttgart 21 all die Probleme löst und auch ohne neue Überlegungen „mehr Verkehr auf die Schiene“ kommt. Dafür zahlt Nürtingen schließlich zehn Jahre lang 141 078 Euro pro Jahr (!) mit der Kreisumlage an die Region Stuttgart, einen der Finanzierungspartner von S 21.

Thaddäus Kunzmann hat allerdings wohl noch nicht bemerkt, dass S 21 nur noch wenig Aussicht auf Fertigstellung hat und Nürtingen dann ganz nackt dasteht. Fast zehn Milliarden Euro wird S 21 kosten, hat der seriöse Bundesrechnungshof neben anderer Kritik in sein ursprünglich geheimes Gutachten geschrieben – und die ungelösten Probleme auf der Baustelle im zerstörten Schlossgarten in Stuttgart sind immens.

Daher fehlen zehn Jahre nach der ersten „Baugenehmigung“ für die achtgleisige Haltestelle in Stuttgart immer noch viele Genehmigungen. Auch die 2,50 Meter dicke Betonplatte ist bisher nur für den kleinen Abschnitt 16 genehmigt. Für die weiteren 24 Abschnitte gibt es noch nix – und für den Flughafenbahnhof auch nicht. Welchen Ausweg aus dieser S 21-Sackgasse schlägt Thaddäus Kunzmann vor? Die Arbeitsgruppe „Umstieg 21“ hat bereits sehr gute Vorschläge gemacht, die gleichzeitig viele Milliarden Einsparungen bringen und auch sinnvolle Überlegungen zum SBahn-Ringschluss enthalten. Diese Vorschläge können auch der CDU-Stadtrat und der OB im Internet lesen – unter www.umstieg-21.de. Den Bürgermeistern in den genannten Gemeinden wurde schon die 48-seitige Broschüre zugeschickt als Ergänzung zu dem angeforderten Gutachten der Universität Stuttgart. Diverse Vorträge und Diskussionsveranstaltungen mit der Arbeitsgruppe sind in Vorbereitung und wären sicherlich auch für Nürtingen zu empfehlen.

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