Leserbriefe

Stuttgart 21: „Es reicht“

17.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. „Lasst endlich genug sein das grausame Spiel“, sagt unser großer schwäbischer Dichter Friedrich Schiller in etwas abgeänderter Form. In der Tat müssen sich einige Millionen Bürger in der Region fast täglich eine Vorstellung von etlichen Tausend Demonstranten und Berufsprotestierern bieten lassen, die nicht nur dem Wirtschaftsraum Stuttgart, sondern auch dem Ansehen der Bevölkerung erheblich schadet. Dieser von Grün geschürte sogenannte Volksprotest ist ein gefährliches Spiel. Es geht an die Wurzeln der Demokratie. Wenn von 130 Abgeordneten 117 für das Projekt stimmen, dann ist das eine satte Mehrheit, an das sich das Parlament zu halten hat.

Doch Stuttgart 21 ist nur ein sehr vordergründiger Vorwand, es geht um die Destabilisierung der Republik. Wenn Beschlüsse nicht mehr durchgesetzt werden können, dann herrscht Anarchie, der gesetzlose Zustand. Von hier ist es bis zum Putsch nicht mehr weit. Wenn wie in Stuttgart die Straße bestimmen soll, was zu geschehen hat, ist das die Bankrotterklärung für die Souveränität des Staates. Dann sind auch Abgeordnete überflüssig, darüber sollten einige Wackelkandidaten nachdenken. Wir kennen das aus der jüngsten Geschichte, das Ende der Weimarer Republik sollte uns eine Warnung sein. Die verheerenden Folgen haben viele von uns noch am eigenen Leib erlebt. Wenn man auch noch Polizisten vor den Untersuchungsausschuss schleppt und sie sich für ihren Einsatz verantworten sollen, geht es um die Autorität unseres Staates. Diese Zündelei in Stuttgart könnte leicht zum Flächenbrand werden, wenn man die Institutionen des Staates der Volksjustiz zur Demontage preisgibt.

Wenn man Stuttgart 21 fertig gemacht hat, was kommt dann? Etwa die Verhinderung von über dreitausend Kilometer Stromautobahn, wenn wir die Sonnenenergie der Sahara nutzen wollen? Bei diesem Objekt spielt doch Grün die Vorreiterrolle. Wird dann auch bei jedem Strommast wegen Elektrosmog und Landschaftsbild demonstriert? Dann droht uns der totale Stillstand. Es kann niemand bestreiten, durch Stuttgart 21 wird der Verkehr flüssiger und die Anlagen sind kompakter. Die Züge können „zügig“ durchfahren und müssen nicht durch mühevolles „hentersche haufa“ über ein weitreichendes Weichengewirr auf den richtigen Kurs gebracht werden. Wenn die Gegner dauernd über Kosten reden, sollte das in diesem Fall keine Rolle spielen. Wir leisten jedes Jahr enorme Beträge Finanzausgleich. Wenn dann einmal einige Milliarden ins Land zurückfließen, dann sollte man die Annahme nicht verweigern.

Seit Jahrzehnten bemühen sich unsere Regierungen in Stuttgart, den Südweststaat aus dem Verkehrsschatten herauszuholen. Der Höhenzug Schwäbische Alb teilt topografisch Württemberg in ein Ober- und Unterland. Gerade der Steilabfall nach Norden, durch Bäche wenig gegliedert, birgt verkehrsmäßig gesehen etliche Probleme (Geislinger Steige). Auch im Westen verhindert der Schwarzwald als natürliche Barriere einen zügigen Verkehrsfluss.

Leserbriefe

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