Leserbriefe

Standort versus Standpunkt

06.11.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Marion Ziegler, Nürtingen. Zum Artikel

„Unterbringung wird zur Herkulesaufgabe“ vom 3. November. Jedem, der die Nachrichten verfolgt, ist bewusst, dass in der nächsten Zeit viel bezahlbarer Wohnraum benötigt wird. Keiner zweifelt daran, dass die Stadt händeringend nach Möglichkeiten sucht, wie die Karte beweist. Dennoch gibt es geeignete und ungeeignete Standorte. Deshalb muss man sehr genau hinterfragen, ob die Nanzwiese unter der Hochspannungsleitung wirklich eine geeignete Lösung darstellt. Kann man denn guten Gewissens von „Sozialem Wohnungsbau“ sprechen, wenn man ein Grundstück überbauen will, das Gefahren birgt? Erst kürzlich wurde in Heidelberg ein seit Jahren bestehender Spielplatz unter einer vergleichbaren Trasse geschlossen, weil der Standort als zu gefährlich eingestuft wurde. Private Bauherren würden mit Sicherheit unter den Hochspannungsleitungen nicht bauen! Den Menschen, für die auf diesem Areal Wohnungen vorgesehen sind, bleibt aus ihrer persönlichen Lebenssituation heraus keine Wahlmöglichkeit. Ein Stadtrat erklärte sogar: „ . . . es gibt Menschen, die das akzeptieren würden, würden sie nur eine anständige Wohnung bekommen“.

Nur wenn man davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die gern von Hartz IV leben, gern ihren täglichen Bedarf bei der Nürtinger Tafel einkaufen, gern Geld- und Sachspenden für die Lernmittel ihrer Kinder annehmen und gern ihre Kleidung im Diakonieladen auswählen, dann kann man folgern, dass sie ebenso gern unter einer Hochspannungsleitung in diesen „anständigen Sozialwohnungen“ leben würden, wohlwissend, dass sie womöglich dort Gefahren für ihre Gesundheit und die ihrer Kinder befürchten müssen.

Von einer Stadtverwaltung und ihren – auch ehemaligen – Stadträten wird mehr erwartet, nämlich nicht nur nach schnellen Lösungen auszuschauen, sondern auch den Mut zu haben, ungeeignete wieder zu verwerfen. Nur so können gewissenhafte, fürsorgliche Entscheidungen getroffen werden, die das Wohl und die Gesundheit aller Bürger würdigen und achten.

Leserbriefe

Schon vergessen? Das ist keine Alternative

Andreas Melcher, Frickenhausen. Zum Leserbrief „Postfaktisch und die Arbeit der Presse“ vom 14. Januar. Niemand muss sich wundern, dass der Begriff „postfaktisch“ mit „Lügenzeit“ gleichgesetzt wird. Genauso ist das nämlich von der Gesellschaft für Deutsche Sprache gemeint. Wer damit ein Problem…

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