Leserbriefe

Stadt am Fluss stellt man sich anders vor

17.06.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Fritz Eisele, NT-Hardt. Im Ideen-Wettbewerb „Westlicher Neckar“ wurden die im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) erarbeiteten drei Leitlinien „Grüne Stadt am Fluss“, „Wohnen und Kunst“, „Kultur und Bildung“ vom Preisgericht besonders hervorgehoben. Hierbei wurde die großzügige und durchgängige Freihaltung des Neckarufers besonders gewürdigt. Dies bekommt noch zusätzliche Bedeutung durch das Heranrücken der Wohnbebauung an das Neckarufer auf der gegen-überliegenden Uferseite. Leider werden bereits bei der allerersten geplanten Baumaßnahme (Hotel) im Wettbewerbsgebiet alle guten Ideen der Bürger und Empfehlungen der Wettbewerbsjury über Bord geworfen und ad absurdum geführt. Schade für das viele Geld, insgesamt nahezu 400 000 Euro, die die Stadt offensichtlich nur aus Alibigründen investiert hat.

Wo bleibt hier die Verantwortung der Stadträte? Nicht eine der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen hat die Notwendigkeit zusätzlicher Hotelkapazität infrage gestellt. Was die Umsetzung betrifft, gab es jedoch erhebliche Bedenken und Einwände. Mit der vorliegenden Planung des Hotelneubaus ist ein massiver Eingriff in den wertvollen, sensiblen Grünbereich in Ufernähe verbunden. Die Hochwasserschutzmauer an der Hotelterrasse rückt bis auf vier Meter an den Uferweg heran. Wo bleibt hier das Gemeinwohl?

Der einfallslose Zweckbau hat das Ziel, 91 Zimmer auf engstem Raum bei größtmöglicher Ausnutzung der überbaubaren Fläche unterzubringen. Da die ursprünglich geplante Tiefgarage im UG aus Hochwasserschutzgründen bei der neuen Planung jetzt einfach ins Erdgeschoss verlegt wurde, wird aus dem bisherigen vierstöckigen ein fünfstöckiges Bauwerk. Es überragt die angrenzenden Wohnhäuser mit Satteldach deutlich. Wenn also nicht beim Volumen des Gebäudes und bei der Architektur erhebliche Verbesserungen durchgesetzt werden, entsteht ein weiterer optischer Schandfleck in Nürtingen, der nichts mit einer kreativen und nachhaltigen Stadtentwicklung zu tun hat.

Mit dem Totschlagargument Wirtschaftlichkeit wurden schon andere nicht wiedergutzumachende Bausünden begangen. Ein Hotel an dieser Stelle nur, wenn kein anderer Standort zu finden ist. Dann aber bitte mit deutlich mehr Freiraum im Uferbereich und phantasievollerer Architektur, denn dieser Gebäudekomplex würde auch in jedem beliebigen Industriegebiet seinen gewünschten Zweck erfüllen.

Sind sich OB, Gemeinderat und Bürger bewusst, dass mit der geplanten Bebauung beide stadtnahen Uferbereiche des Neckars zugebaut werden und nur noch sehr eingeschränkt als Naherholungsgebiet gestaltet werden können? „Eine Stadt am Fluss“ stellt man sich anders vor!

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