Leserbriefe

Soldaten haben ihre Knochen hingehalten

01.12.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. In den Leserbrief-Spalten „tobte“ jüngst ein „Krieg“ über das Verhalten deutscher Soldaten während des Krieges. Der ist meines Erachtens überflüssig wie ein Kropf, denn die Beweislage ist mehr als hinreichend. Hitler hat von Anfang an einen grausamen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die „Sklavenvölker im Osten“ geplant, um „Lebensraum im Osten für die arische Rasse“ zu gewinnen. Die anderen „Kriege innerhalb des Krieges“ dienten nur dazu, den eigentlich gewollten und geplanten Krieg gegen die UdSSR abzusichern: Den Zweifrontenkrieg zu verhindern, die Erzzufuhr über Norwegen zu sichern und die italienischen Kriegsabenteuer in Afrika und auf dem Balkan zu unterstützen, damit dieses geostrategisch wichtige Land nicht von der Fahne geht. Nachdem er mit dem Hitler-Stalin-Pakt und der Teilung Polens eine gemeinsame Grenze zur UdSSR geschaffen hatte, konnte die Sache losgehen. Bereits vor dem Überfall auf die UdSSR wurde der Kommissarbefehl erlassen, der bis Kriegsende circa 600 000 Menschen das Leben kostete. Die Wehrmacht immer dabei. In der Schlucht Babyn Jar bei Kiew wurden Ende September 1941 unter Leitung der Wehrmacht und Mitarbeit der SS 33 711 Menschen ermordet. Zum Vergleich: Kernstadt Nürtingen 31 000 Einwohner, Reudern 2700 Einwohner! Nürtingen und Reudern komplett ausgelöscht! In zwei Tagen. Außerdem wurden alle „Nichtarier“, ob Soldat oder Zivilist, zu Freiwild erklärt, auf die die Genfer Konvention und die Haager Landkriegsordnung keine Anwendung finden konnten. Das schuf Freiraum zum Austoben der niedrigsten Instinkte und der wurde „genutzt“, auch von Wehrmachtssoldaten. Die Beteiligung der Wehrmacht an der Gesamtzahl der Verbrechen ist nicht zu ermitteln und die Schätzungen gehen weit auseinander, zwischen fünf und 80 Prozent. Selbst wenn wir von der kleinsten Zahl ausgehen, bleiben bei einem Zig-Millionen-Heer noch eine Menge Täter übrig.

Übrigens, kann mal jemand erklären, was ein sauberer Krieg ist? Wie man Menschen „auf dem Feld der Ehre“ anständig umbringt? Je mehr, desto besser? Wenn man sich darüber im Klaren ist, dass ein Schwerstverbrecher einen von Anfang an verbrecherischen Krieg plante und anzettelte, wird die Unterscheidung zwischen Schuld und Unschuld des Einzelnen sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Kaum ein Soldat gleich welcher Einheit wird sich während des Heimaturlaubs seiner Gräultaten gebrüstet haben. Freilich sind längst nicht alle Waffenträger des Dritten Reiches Kriegsverbrecher im Sinne des Völkerrechts, aber doch erschreckend viele. Ein Generalverdacht wäre unangebracht – aber verständlich. Ich halte es da mit meinem Vater (Funker auf einem Minensuchboot, schwer verwundet): „Von wegen Volk und Vaterland! Wir haben unsere Knochen für eine Verbrecherbande hingehalten!“

Leserbriefe

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