Leserbriefe

Söders PR-Gehabe zum Kreuz-Erlass

08.06.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eberhard Ellwanger, NT-Reudern. Zum Leserbrief „Das Christliche wird immer mehr verdrängt“ vom 1. Juni. Gerne stimme ich Herrn Steigerwald in einem Punkt zu: sichtbar christliche Verhaltensweisen und die Symbole des Christentums verschwinden mehr und mehr aus dem öffentlichen Blickfeld. Es gibt sicher viele Gründe dafür und auch schon Studien hierzu. Dass aber ausgerechnet Herr Söder mit seinem PR-Gehabe um den Erlass, dass Kreuze in Behörden aufzuhängen seien, dem Christentum einen Gefallen tut, zweifle ich sehr an.

Es stimmt mich sehr nachdenklich, wie sehr Herr Söder auch dann die Nähe zu den Kameras sucht, wenn er mit Hilfe des Kreuzes um verlorene Stimmen von AfD-Wählern buhlt und daher die aus seiner Sicht deutschen, gar bayrischen Werte proklamiert. So wie er das Kreuz als Staatssymbol (!) einteilt, hat das eher mit Folklore zu tun. So wie die Kuckucksuhr klischeehaft zum Schwarzwald gehört, soll wieder das Kreuz in Bayerns Amtsstuben hängen. Wenn dieser Söder berechnende Äußerungen über Flüchtlinge in jedes bereitgehaltene Mikrofon zum Besten gibt, hat das nichts mit der Bewahrung des Christentums zu tun.

Wenn Söder den F. J. Strauß gibt und ihn nur eine Sorge umtreibt – nämlich dass die AFD momentan die CSU rechts überholt –, kann ich darin ebenso keinen ernsthaften Christen erkennen. Mag sein, dass man „den Islam“ eher von Weitem erkennen kann als das Christentum. Bei Herrn Söder kann ich von Weitem nur die königlich bayrischen Hochglanzbildauftritte erkennen. Ich zitiere eine Glosse aus dem Deutschlandfunk: „Passend zum Landtags-Wahlkampf zeigt sich Söder breit grinsend und breitkrempig behutet mit einem Schaf auf dem Arm vor einer Schafherde. Offenbar darauf spekulierend, dass dem Wahlvolk angesichts der treu-doofen Tiere Psalm 23 einfällt, in dem es tröstlich heißt: Der Herr Söder ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Dabei vertritt der Protestant schon mal Ansichten, die von der christlichen Lehre weiter abweichen als Luthers Thesen vom römischen Katholizismus.“ So weit das Zitat, welches mir aus der Seele spricht.

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