Leserbriefe

Sind Arbeitsplätze essbar?

01.02.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Simone Bauknecht, Walddorfhäslach. Auf der Fläche des Großen Forsts wird jährlich so viel Getreide angebaut, dass man damit sechs Millionen Brötchen backen könnte, um die Region zu ernähren. Auf derselben Fläche von 15 Hektar sollen nun 200 neue Arbeitsplätze entstehen, das sind 750 Quadratmeter pro Arbeitsplatz steht das in einer Relation? Die Landwirtschaft in Nürtingen wird immer weniger geschätzt, immer mehr Fläche wird überbaut und das in einer Zeit, in der durch die wachsende Weltbevölkerung und steigende Energiekosten die Lebensmittel und Bioenergie immer knapper werden. Seltsamerweise spricht Oberbürgermeister Heirich jährlich bei der Brotübergabe der Landjugend am Maientag davon, dass die Landwirtschaft und Lebensmittel in Nürtingen wichtig seien davon bemerkt man jedoch bei dem Plan des Industriegebiets Großer Forst nichts. Ich frage mich, wie das in 20 Jahren aussehen wird, wenn wir zwar Arbeitsplätze, aber nichts mehr zu essen beziehungsweise kein Geld haben werden, um Lebensmittel oder Energie zu kaufen. Denn aufgrund der Knappheit werden die Kosten ansteigen und nur noch die reichen Leute werden sich Lebensmittel und Energie leisten können. Wenn die Bevölkerung hungert, sind die Bürger gewiss stolz auf Arbeitsplätze.

Wir werden uns vom Ausland abhängig machen, denn wir werden nicht mehr in der Lage sein, uns selbst zu ernähren. Auf welcher Fläche auch, es wird ja alles überbaut sein. Im Ausland gibt es nicht so strenge Agraranbaugesetze wie in Deutschland, dort werden nicht so strenge Kontrollen durchgeführt. Böden werden einseitig ausgelaugt und überdüngt. Starkes Spritzen mit Pestiziden wie auch Gentechnik stehen auf der Tagesordnung. Möchte die Stadt sich wirklich von dem Lebensmittelangebot aus dem Ausland abhängig machen?

Der Große Forst ist nicht nur landwirtschaftliche Fläche, sondern auch Naherholungsgebiet und Lebensraum. Der Ausblick auf Nürtingen, Neckarhausen und Raidwangen vom Großen Forst aus gesehen ist wunderschön. Täglich findet man dort Familien mit Kindern, Leute mit Hunden, Sportler und Reiter, die dort in der Natur unterwegs sind, um einen Ausgleich zum stressigen Alltag zu finden. Fast täglich wird von Umweltkatastrophen und Klimawandel berichtet (verursacht durch Rodungen, Industrie, Verkehr et cetera) und es wird aufgerufen, schonend mit der Erde umzugehen und sie weiterhin für Mensch und Tier zu erhalten. Nun soll in Nürtingen der Lebensraum von vielen Tieren und Insekten sowie das Kleinklima auf dem Großen Forst zerstört und durch Abgase der vielen Autos und LKWs, die dort zukünftig rollen sollen, und die Abluft der Industrie ersetzt werden? Auf dem Großen Forst gibt es noch Füchse, Rehe, Hasen, Eulen, Vögel, Fledermäuse et cetera und weitere Tiere und Kleinstlebewesen. Gibt es in der Stadt oder in den Industriegebieten auch Lebensraum für diese Tiere? Ich fürchte nein.

Leserbriefe

Verkehrsprobleme werden nicht gelöst

Raimund Popp, Nürtingen. Zum Artikel „Der Sieger kommt aus der Schweiz“ vom 20. September. Bevor die Umsetzung der Bahnstadt beginnt, muss der Kreuzungsknoten beim Amtsgericht nachweislich gelöst werden. Eine kleine Übersicht zum Plan der Bahnstadt: alle östlichen Häuser direkt an den…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe