Leserbriefe

Silvesterfeuerwerk – für oder gegen wen?

08.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jürgen Morr, NT-Zizishausen. Alljährlich das gleiche Spektakel. Spätestens am Silvestertag sind die Menschen außer Rand und Band, als ob sie die alltäglichen Verrücktheiten noch einmal steigern müssten. Es wird gezündet, geknallt und geschossen, was das Zeug hält. Vergessen ist das Gejammer um Geldnot und zu wenig Lohn. Plötzlich wird für das Unnötigste der Welt Kapital in beträchtlichem Ausmaß freigesetzt.

Die Masse denkt nicht, was sie damit anrichtet. Es reicht nicht, dass Erde, Mensch und Tier durch unser alltägliches Zutun schon genug geschunden sind. Wir müssen noch eins draufsetzen. Schließlich wollen wir unsere Freude, den Spaß, einmal im Jahr. Darauf haben wir ein Recht, betont der demokratieverwöhnte Bürger. Wir stützen damit auch die Wirtschaft, argumentieren manche verteidigend, wobei es sich mehrheitlich um die chinesische handeln dürfte. Andere sagen, dass die Kinder so eine Freude haben und, ja, dass das einfach dazugehört. – Zu was? frage ich.

Soll es dazugehören, dass wir alle Schmerzkranken der Welt zusätzlich martern in dieser Nacht? Soll es dazugehören, dass wir die gesamte Tierwelt der Erde – Haustiere und wilde Tiere – zusätzlich schockieren und quälen? Tun wir das nicht schon genug? Fünf nach zwölf konnte ich selbst einen Vogelschwarm (Hunderte Vögel) angstvoll, durch Böller- und Kanonenschläge hindurch, schreien hören. Aber wen „juckt“ das schon außer mir und ein paar Aufmerksamen? Soll es dazugehören, dass wir Straßen, Gehwege, Gärten, Äcker und Wiesen „versauen“, weil wir unseren Müll ja hinterher nicht einmal beseitigen, angetrunken oder nur faul, wie viele Feuerwerker zu Werke gehen? Das überlassen wir den anderen oder der Natur. Soll es dazugehören, dass sich viele, selbst verschuldet oder durch andere verursacht, verletzen in dieser Nacht und Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen zusätzlich belasten?

Wer denkt schon nach? Und auch ich schreibe hier sicher auch nur für wenige, denn bis zur nächsten Silvesternacht ist eh alles vergessen. Die Menschheit lernt nicht und wird dafür bezahlen müssen. Aber vorläufig leben wir wie gewohnt „auf Kredit“. Kommt dann der Zahltag, wird eben Insolvenz angemeldet, sollen andere zahlen. Das funktioniert mit der Erde, der Natur aber nicht. Da gibt es keinen Schuldenerlass, kein soziales Netz, welches die Sünder auffängt.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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