Leserbriefe

Schrott im Fernsehen

16.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Herbert Ruff, Oberboihingen. Zum Artikel „Reich-Ranicki weist Fernsehpreis zurück“ vom 13. Oktober. Ich kann dazu nur sagen, dass Deutschland sich glücklich schätzen kann, dass es einen so hervorragenden Literaturkritiker wie Marcel Reich-Ranicki gibt. Er ist in der komfortablen Lage, ohne berufliche Nachteile befürchten zu müssen, das sagen zu können, was seit Langem im Fernsehen zum Ärgernis geworden ist.

Im Fernsehen wird auf allen Kanälen ziemlich viel Schrott produziert. Gute Sendungen laufen oft zu später Stunde und meist nur in den dritten Programmen oder in Arte. Dies kann auch nicht anders sein, denn der Kommerz, die Quote, beherrscht alles. Auch eine mögliche Gefährdung der Kinder und Jugendlichen wird diesem Kommerz untergeordnet.

Es ist bezeichnend, dass zum Beispiel Kriminalfilme, sogar Horrorfilme, Quizsendungen und seichte Unterhaltung den Geschmack des Publikums besser treffen als ernsthafte Unterhaltung. Die Folge ist eine erschreckende Niveaulosigkeit auf vielen gesellschaftlichen Ebenen, nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Internet und anderen Medien.

Dies wollte sich Reich-Ranicki nicht antun und hat die Gelegenheit wahrgenommen, die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises als Blödsinn zu bezeichnen und den ihm zugedachten Ehrenpreis abzulehnen. Ich frage mich allerdings, warum er sich das antat und überhaupt hingefahren ist. Wahrscheinlich hat er aber auf eine publikumswirksame Gelegenheit gewartet, um auf diese Weise mehr Wirkung zu erzielen. Nun, das war keine schlechte Idee und ist auch gut so, denn dafür müssen ihm all diejenigen, die ähnlich denken, dankbar sein.

Noch vor der Ausstrahlung am Sonntagabend im ZDF berichtete eine große Sonntagszeitung von einem Eklat am Samstagabend infolge Bemerkungen Reich-Ranickis, die in der darauffolgenden Sendung teilweise nicht gebracht wurden, jedoch von den Zeitungen am Montag zitiert wurden. Das ist der eigentliche Eklat, denn den ganzen Vorgang wollten die hauseigenen Zensoren dem Publikum doch nicht zeigen.

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