Leserbriefe

Schavan und ihr Diplomatenjob

22.11.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christian Rau, Nürtingen. Zum Artikel „Mehr als eine Fußnote“ vom 23. Oktober. Mit Verwunderung las ich den Artikel über Frau Schavan und muss zu dem Versuch des Redakteurs, diese Politikerin „von allen Sünden reinzuwaschen“, meinen Kommentar loswerden.

Die Politikerin, die über Baden-Württemberg das „Turbo-Abitur“ (G8) eingeführt hat, das fast deutschlandweit übernommen wurde, und die später als Forschungsministerin über ihre vorsätzliche Dissertationstäuschung (nicht nur „Plagiatsvorwürfe“) stolperte, hat jetzt einen stressfreien, hochdotierten Diplomatenjob im Vatikan. Wir als steuerzahlende und kindererziehende Bürger freuen uns sehr! Die dicken goldenen Bilderrahmen scheinen dazu als Pointe sehr passend gewählt.

Das „Turbo-Abitur“, das eine Vielzahl von Gymnasiasten ihrer Freizeit beraubt und nur den Sinn verfolgt, die Abiturienten ein Jahr ihres Lebens früher in die Sozialkassen einzahlen zu lassen, wird inzwischen in anderen Bundesländern zurückgefahren und wahrscheinlich – so wie viele andere verunglückte Aktionen im Bildungssystem – in den nächsten Jahren wieder ganz verschwinden. Nur unsere Kinder müssen jetzt alle Nachteile (Lernen bis spät abends, reduzierte Freizeit- und Vereinstätigkeiten, et cetera) ertragen.

Die Schulen sind überfordert, da Lehrerkapazitäten nicht ausreichend vorhanden sind und Unterrichtsausfälle an der Tagesordnung sind. Teilweise fallen komplette Fächer für ein ganzes Schulhalbjahr oder länger aus. Das geht natürlich zu Lasten der Ausbildungsqualität und muss mühsam durch Nachhilfe aufgeholt werden – für den, der sich das leisten kann. Davon sind aktuell Hunderttausende von Kindern und Eltern betroffen. Das mit „Tagespolitik“ und „Tempi-passati-Modus“ abzutun, ist grenzenloser Sarkasmus.

Jetzt hat Frau Schavan ohne akademischen Abschluss und Berufsausbildung – immerhin aber mit einem G9-Abitur – einen hochdotierten Diplomatenposten erhalten. Merkel sei Dank. Ihre Mitarbeiter an der Botschaft benötigen übrigens alle einen adäquaten Hochschulabschluss.

Die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck von 2014 berücksichtige ich hier nicht, da sie sich diese durch eine 25-Millionen-Euro-Zuwendung auf Kosten der Steuerzahler quasi erkauft hat. Letztendlich bleibt uns allen ihr zynisches Grinsen in Erinnerung, als sie die SMS mit dem Rücktritt zu Guttenbergs wegen dessen Täuschung bei seiner Doktorarbeit an Angela Merkel weiterreichte.

Leserbriefe

Friedens-Nobelpreis gegen Atombomben

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Der Appell“ vom 7. Oktober. Es kommt selten vor, dass ein Kommentar von Wolfgang Molitor in der Nürtinger Zeitung Zustimmung finden kann, aber diesmal hat er mit Recht den Friedensnobelpreis gelobt, den die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von…

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