Leserbriefe

Schächten nur Nebensache?

24.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jürgen Morr, NT-Zizishausen. Zum Leserbrief „Schächten – ein Problem?“ vom 8. Dezember. In seinem Leserbrief bringt Herr Reinhardt offensichtlich einige Dinge durcheinander. In der aktuellen Debatte um das legitime Schächten hat Herr Baslig in seinem Leserbrief vom 1. Dezember die Sure 5.3 herangezogen, um das religiöse Schächten im Islam zu untermauern. Wenn Herr Reinhardt hierzu eine andere Meinung hat, möge er bitte ihn oder andere Unwissende korrigieren und nicht mich.

Dass man „schlachten“ oder „schächten“ übersetzen kann, bringt uns zu keiner Lösung. Ich kritisiere allein die Schlachtung durch Schächtung, generell und religionsunabhängig. Falls Muslime hierbei den Koran falsch auslegen sollten, so verstehe ich Herrn Reinhardt, kann er ja als Islam-Experte eine aufklärende Vortragsreihe in islamischen Kreisen starten.

Der weiter angestellte Vergleich zur Erklärung von Traditionen zwischen islamischen und christlichen Schriften ist oberlehrerhaft und bezüglich der Wertung der Schächtung unnütz. Dies betrifft auch den Vergleich und die Relativierung mit der hiesigen Schlachtungspraxis.

Kaum jemand wird „unsere“ Schlachtungsmethode toll finden. Aber soll deshalb betäubungsloses Schächten auf breiter Basis nun zusätzlich in unserem Kulturkreis Einzug halten?

Ich bin sicher, die Mehrheit in Deutschland und Europa ist dagegen. Selbst die Türkei hat sich bereit erklärt, ab 2011 das betäubungslose Schächten zu verbieten, wenn auch nur auf Druck der Europäischen Union.

Es ist falsch, dass das Bundesverfassungsgericht die Schächtung legitimiert hat, schon gar nicht den tausendfachen privaten Vollzug. Es hat lediglich einen früheren Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs zur Begrenzung der zahlenmäßigen Schächtung in einem siebenjährigen Rechtsstreit (!!) eines muslimischen Metzgers zurückgewiesen.

Derzeit wird jedoch immer noch gestritten, weil die Schächtung über das im Grundgesetz verankerte Tierschutzgesetz nicht grundgesetzkonform ist. Ich vermute mal, Herr Reinhardt hat hier aufgrund seiner islamfreundlichen Einstellung etwas oberflächlich recherchiert.

Auch die weitere Unterstellung der Ungleichbewertung illegaler Schächtung und Mehrwertsteuerhinterziehung (ein komischer Vergleich!) in unserem Land ist abzulehnen.

Und zuletzt: Anderen „zwanghafte Feindbilder“ zu unterstellen, zeugt auch nicht gerade von dem Wunsch des Verfassers nach Frieden. Trotzdem wünsche ich Herrn Reinhardt den Frieden, welchen er sich von der Einführung islamischer Sitten und Gebräuche in Deutschland erhofft. Möge er nie enttäuscht werden.

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