Leserbriefe

Schächten – ein Problem?

08.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Schächtung nicht nach deutschen Vorschriften“ vom 30. November. Wer das Thema „Schächten“ missbraucht, um „den Islam“ zu verunglimpfen, sollte sich vorher informieren. Zum einen wird in der zitierten Sure 5.3 keineswegs das betäubungslose Schächten gefordert. Dort wird für das Schächten – nach der wissenschaftlichen Übersetzung und Kommentierung durch Professor Paret – im Arabischen ein Verb gebraucht, das sowohl schlachten wie schächten bedeuten kann.

Das betäubungslose Schächten, wie es in vielen moslemischen Ländern üblich ist, gründet in der Tradition, nicht eindeutig im Koran. Wie sollte es auch? Die Betäubung vor dem Schlachten ist eine neuere Idee. Auch bei uns gibt es Traditionen, die in der Bibel bekanntlich nicht vorkommen: Kirche, Papst und ordinierte Pfarrer zum Beispiel. Sie sind „nur“ Tradition – und trotzdem fast unbestritten. Also: ob das betäubungslose Schächten geboten ist oder nicht, ist Interpretationssache. Empörung ist nicht angebracht.

Obendrein ist sich die Wissenschaft nicht einig, ob das geschächtete Tier wirklich leidet. Die einen betonen, mit dem Schnitt durch die Halsschlagader verliere das Tier sehr schnell das Bewusstsein, nur die Muskeln zappelten noch. Die anderen sagen: die Muskeln zappeln, also leidet das Tier. Wer will das wirklich entscheiden? Vielleicht sollte mancher sich mal informieren, wie es bei uns in den großen Massenschlachthöfen zugeht. Vor Kurzem kamen dazu Filme im Fernsehen. Wer behauptet, dort gebe es bei den Hühnern, Schweinen und Rindern, die am Fließband geschlachtet werden, kein Leiden, verschließt vor einem Teil unserer Wirklichkeit bequem die Augen.

Und übrigens: das Bundesverfassungsgericht hat am 28. September 2009 entschieden, dass das Schächten in Deutschland nicht verboten sei. Das Urteil ist scheint’s nicht voll durchgedrungen. Es ist geltendes Recht. Und wer immer wieder fordert: auch die Moslems müssten sich an unsere Gesetze halten, spricht eine Selbstverständlichkeit aus. Er muss sich nur fragen lassen, ob wir je nach Zugehörigkeit verschiedene Moralstandards benutzen. Zahlen denn die lieben, braven Deutschen überall und immer brav ihre Mehrwertsteuer? Sie ist geltendes Recht. Die Sache ist also nicht so eindeutig, wie sie bisweilen – mit welcher Absicht? – dargestellt wird. Früher wurde das Schächten gebraucht, um gegen die Juden Stimmung zu machen. Das ist zum Glück nicht mehr „in“. Manche brauchen scheint’s ein Feindbild, egal welches. Das schafft nie Frieden. Genauere Information ist gefragt. Sie wäre beim Thema Islam bitter nötig.

Leserbriefe

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