Leserbriefe

S21: „Schlüpfriges im Baustellenmorast“

17.01.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Titelbild „S21-Baustelle gucken“ vom 5. Januar. „Die Eindrücke sind gewaltig“ beschrieb Antonio Jung die Eindrücke einer 71-Jährigen, die auf der S21-Baustelle das bisher einzige, aber unfertige Kelch-Monstrum betrachtete, dem noch 27 weitere folgen sollen. Jeder einzelne Riesenkelch ist teuerste Maßarbeit wegen der gefährlich schrägen Bahnsteigneigung.

350 Tonnen Bewehrungsstahl müssen kunstvoll geflochten werden, bevor dann 650 Kubikmeter Edel-Beton einen strahlend weißen Kelch erzeugen sollten. So hatte es der „Kelch-Schöpfer“ Architekt Ingenhoven angeordnet. Kelch Nummer 1 weiß das wohl nicht, denn er ist hässlich grau gesprenkelt und muss außerdem noch viele Jahre an Krücken stehen, weil er sonst umfällt. Nachdem kaum noch Politiker zu hören sind, die S21 „positiv begleiten“ und sogar Ministerpräsident Kretschmann sich lieber an seine Zeit als S21-Gegner erinnert, bevor er zum Landesvater gewandelt wurde, musste sich der „Verein Bahnprojekt Stuttgart–Ulm“ als Veranstalter auf unterstes Niveau begeben, um das S21-Fest im Milliardenloch zu bewerben.

Das Ergebnis war eine Karte mit folgendem unglaublichen S21-Werbetext. Vorderseite: „Untenrum ist immer geil – S21 erleben“. Rückseite: „Und wenn Du jetzt neugierig geworden bist was untenrum so abgeht, besuche uns an den Tagen der offenen Baustelle . . .  sexy Bilder und heiße Videos von großen Geräten gibt’s ganzjährig auf Facebook und Instagram.“ Diese Karten stießen auf heftigen Protest. Aber der Bahnvereins-Vorsitzende Brunnhuber (CDU) schrieb in seiner Rechtfertigung (Zitat gekürzt): „An den Tagen der offenen Baustelle wurde die Postkarte von den gut 35 000 Besuchern gerne mitgenommen . . . Dies ist für uns der Beweis, dass unsere sachliche Informations- und Ausstellungskonzeption bei den Menschen ankommt und erfolgreich ist. Dies ist unser Maßstab.“ Der Steuerzahler darf wieder einmal ungefragt für S21 Tausende obszöne und sexistische Werbe-Karten bezahlen, die 35 000 Menschen aufgedrängt werden und zusätzlich in Kneipen und dem S21-Turmforum ausliegen.

„Schlüpfriges im Baustellenmorast“ nannte eine Zeitung diese Aktion des Bahnvereins, der laut Satzung „umfassende Information durch den Einsatz moderner Kommunikationsmedien“ sicherstellen soll. Stuttgart 21 ist ganz unten – deshalb wollen die Menschen oben bleiben im modernisierten Kopfbahnhof.

Leserbriefe

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