Leserbriefe

Roßdorfer wollen Nanzwiese erhalten

31.10.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Am 16. Juni waren über 200 Roßdorfer ins Rathaus gekommen, um mitzukriegen, was die Stadt mit ihrer Nanzwiese vorhat. Der Ausschuss und der OB haben sich dem Andrang entzogen, durch Änderung der Tagesordnung. Zur Beruhigung aber hat der OB Heirich den Roßdorfern ein Bürgergespräch versprochen. Geglaubt habe ich das von Anfang an nicht. Auf Nachfrage der Bürgervereinigung, wann damit zu rechnen sei, hieß es, ein Bürgergespräch sei erst sinnvoll, wenn die Stadt auch tatsächlich vorhabe zu bauen. Ein Witz, denn das stand schon im Juni auf der Tagesordnung. Am Dienstag hat ein Messtrupp die Wiese vermessen.

Vermutlich hält der OB Heirich seine Bauabsicht bereits für beschlossene Sache. Und vermutlich soll die Bürgerinformation am kommenden Montag in der Stadthalle das versprochene Gespräch ersetzen. Was aber sollen Informationen über die Absicht der Verwaltungsspitze, wenn das Bauen bereits vorbereitet wird? Mit dieser Art Bürgerbeteiligung hätte unsere Stadt keinen Bertelsmannpreis gewonnen.

Ich habe am Dienstag ebenfalls gemessen. Je 40 Meter links und rechts von der Trassenmitte. Und festgestellt, dass der beabsichtigte Baukörper zu 80 Prozent innerhalb des Schutzstreifens läge, der unter einer Hochspannungsleitung als belastet gilt. Wer dort Wohnungen baut, zieht selber nicht ein und übersieht, dass er solche Wohnungen weder vermieten noch später wieder verkaufen kann. Dort kann man nur bauen, wenn solche Wohnungen Menschen zugewiesen werden, die keine Alternative haben. Denen schon geholfen ist, wenn es trocken und warm ist, Strom und Wasser fließen. Nürtingen würde erneut mit einer Einmaligkeit im Scheinwerferlicht stehen.

Andere Stadtteile bekommen immer mal wieder was von der Stadt, wie jeder weiß. Die Roßdorfer sind bescheidener. Sie wollen gar nichts bekommen. Sie wollen nur, dass man ihnen nicht nimmt, was seit 45 Jahren zu ihnen gehört. Und das bereits einen modernen Gewann-Namen bekommen hat, der schon im Heimatbuch steht: die Nanzwiese.

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