Leserbriefe

Reaktion der Schulen nach Winnenden

17.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Stefan Kromer, Wendlingen. Zum Artikel „Schüler beginnen Weg in die Zukunft“ vom 12. März. Ein Schüler hält einen jüngeren Mitschüler an den Armen über eine Brüstung. Nur der kräftigen Statur seines Peinigers verdankte es das Opfer, dass es nicht sechs Meter in die Tiefe stürzte. Aus Angst wird der Vorfall vom Opfer daheim verschwiegen. Die Schule reagiert mittels eines Schulpsychologen und einer erzwungenen Entschuldigung vor der Klasse. Die Eltern des Opfers werden nicht mal informiert und erfahren nur per Zufall von der Tat.

Anstatt dieses Thema an der Schule zu diskutieren, offen über härtere Maßnahmen nachzudenken, die Eltern des Täters einzubeziehen, wird das Thema heruntergespielt. Woher sollen junge Menschen ethisch und moralisch gefestigte Charaktere erhalten, wenn nicht durch Diskussion und Austausch anhand solcher Beispiele? Ein Jahr ist die Tat von Winnenden und Wendlingen her und man fragt sich, welche Schlüsse daraus gezogen wurden. Außer den üblichen Forderungen nach Verschärfung des Waffenrechts und dem Verbot von Killerspielen hat sich leider nichts getan. Das Motiv von Tim K. wurde nie zweifelsfrei ermittelt, trotzdem wurde anhand falscher Schlüsse das Thema an sämtlichen Schulen durchdiskutiert. Wie sollten diese Diskussionen einen Nutzen haben, wenn die Ursachen unbekannt sind? Leider haben manche Schulen für sich die falschen Schlüsse gezogen. Anders kann ich die Vorgänge an der Neuffener Schule nicht bewerten, die ich oben wiedergegeben habe. Das Verhalten der Schulleitung drückt eine gewisse Kapitulation vor der Gewalt aus.

Wer immer noch nach Ursachen für Amokläufe oder Gewalt an Schulen sucht, der sollte unsere aktuelle Gesellschaft genauer analysieren. Wir leben im ungezügelten Kapitalismus, in dem Politiker stolz sind, wenn sie den Sozialstaat auf ein Minimum zurückführen und gleichzeitig Milliarden an Banken verschenken. Wir leben in einer Gesellschaft, in der vor allem starke Ellbogen belohnt werden und Profitmaximierung als das höchste Gut angesehen wird. Nicht zu vergessen, dass Kriege in dieser Gesellschaft die übliche Form der Konfliktlösung geworden sind. Und in dieser Gesellschaft glaubt man, dass ein paar Schulpsychologen Werte vermitteln beziehungsweise geraderücken könnten? Wenn wir nicht schleunigst umdenken und wieder soziale Werte stärker in den Vordergrund rücken, wird sich die Spirale der Gewalt immer schneller drehen. Werte müssen in erster Linie Eltern vermitteln, doch können auch sie nur das weitergeben, was in der Gesellschaft Konsens ist.

Leserbriefe

Gar kein großartiges Bahnprojekt

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Nach Wandas Taufe beginnt die Arbeit“, vom 7. Oktober. Mit großer Begeisterung der regionalen Prominenz wurden am Albvorlandtunnel die Bohrmaschinen getauft. Die Wendlinger Geistlichkeit beider großen Konfessionen hat sich für diesen Missbrauch…

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