Leserbriefe

Putzmeister macht Kasse

22.02.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans-Ulrich Funkenweh, Neuffen. Zum Artikel „Das heutige China lebt einen guten Kommunismus“ vom 18. Februar. Die Leistung von Herrn Schlecht, mit Putzmeister aus kleinsten Anfängen einen führenden Betonpumpenhersteller aufgebaut zu haben, verdient Anerkennung und Respekt. Doch über viele seiner Aussagen habe ich doch gestaunt: seine Behauptung, China lebe einen „guten Kommunismus“, verschlägt mir die Sprache! Die Berichte der UN, von Amnesty International und vieler anderer neutraler Organisationen sprechen eine deutlich andere Sprache: über 8000 vollstreckte Todesstrafen pro Jahr, Folter, Unterdrückung auch der geringsten Oppositionsmeinung, absolute Kontrolle des Internets, Verfolgung von religiösen und ethnischen Minderheiten (Tibeter!), die Liste ließe sich noch lange fortsetzen! Das sollte doch nicht ganz verschwiegen werden, wenn ein Unternehmer sich so enthusiastisch über China äußert!

Mir missfällt, wie zunehmend versucht wird (von Unternehmern und auch manchen Politikern), uns China als erstrebenswertes Vorbild zu empfehlen. Haben wir im westlichen Kulturkreis keine Werte mehr zu verteidigen? Keine verbrieften Grundrechte, keinen funktionierenden Rechtsstaat, keine kulturelle und politische Vielfalt? Ich möchte in keinem Land leben, das alle diese Werte dem Mammon opfert. Entlarven wir solche „Vorbilder“ als das, was sie sind: von bestimmten Interessen geprägte Scheinlösungen.

Bleiben wir beim Stil: Herr Schlecht vergleicht seine Firma mit einer Familie. Verkauft man seinen Kindern das Haus hinter dem Rücken, ohne ihnen vorher das Geringste gesagt zu haben? Ich vermisse eine Würdigung der Leistung der Mitarbeiter. Haben tüchtige Facharbeiter und Ingenieure keinen Anteil an der Erfolgsgeschichte der Firma? Haben sie nicht auch in schwersten Zeiten zur Firma gestanden? Alles ein Verdienst von Herrn Schlecht allein? Mich erinnert diese Haltung an ein Gedicht von Brecht: „Fragen eines lesenden Arbeiters“. Nun lobt Herr Schlecht aus verständlichen Gründen den neuen chinesischen Eigentümer Liang Wengen über den grünen Klee, schließlich hat der 525 Millionen Euro für seine Firma bezahlt. Zudem erlaubt die Stiftungskonstruktion von Herrn Schlecht, dass unser Staat herzlich wenig an Steuern davon sieht!

Herr Liang ist der reichste Mann Chinas mit einem geschätzten Privatvermögen von sieben Milliarden Euro. Passt das zu einem „guten Kommunismus“? Mao und Marx (fragwürdige Persönlichkeiten) würden sich im Grabe herumdrehen! Beim Googeln habe ich erfahren, dass sich Liang um einen Sitz im Zentralkomitee des Politbüros der chinesischen KP bewirbt. Damit würde er für die menschenverachtenden Zustände in China mitverantwortlich sein. Zu hoffen bleibt, dass die Firma Putzmeister nicht nur Know-how-mäßig ausgeschlachtet wird, sondern tatsächlich eine realistische Überlebenschance hat. Nicht nur für ein paar Jahre!

Leserbriefe

Was sagt die Bibel zur pflanzlichen Ernährung

Arabella Unger, Frickenhausen. Zum Leserbrief „Vernünftig ernähren mit hochwertigem Fleisch“ vom 1. Dezember. Es wird behauptet, dass aus der Bibel hervorgehe, dass man immer schon Fleisch gegessen habe. Anders steht es jedoch im ersten Schöpfungsbericht (1. Mose 1, 30–31), nämlich dass Gott…

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