Leserbriefe

Putin setzt auf Machtzuwachs

24.10.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Systematisierte Russenhetze“ vom 19. Oktober. Dem Putin kann man manches zugute halten, das ist schon wahr: er hält das überaus große, eigentlich unregierbare russische Reich verhältnismäßig friedlich zusammen (wenn man mal Stalin als Maßstab nimmt). Aber die Frage, wie rechtmäßig die Krim an die Ukraine kam, ist völlig irrelevant, weil in den Wirren der Nachstalinzeit vieles arg über den Zaum gebrochen wurde. Es ging nicht anders. Da war vieles ziemlich irregulär und irgendwie – und da kamen recht zwielichtige Gestalten sehr weit nach oben. Es war etwas wie ein fast chaotischer Zusammenbruch.

Aber bei alldem ist doch nach allen historischen Erfahrungen, die wir ja nun mal haben, ziemlich klar, dass Frieden ein nahezu unendlich kostbares Gut ist; und dass Frieden nur zu haben ist, wenn die Grenzen – egal wie sie zustande gekommen sind – als gegeben anerkannt werden. Durch eine konsequente Friedenspolitik werden sie auch immer unwichtiger – wie man am Beispiel des Elsass gut sehen kann. Wer Grenzen verschieben will, muss Krieg führen – wie es Russland zur Zeit ja in der Ukraine vormacht. Das kann doch wohl durch nichts und niemand gerechtfertigt werden, sollte man als friedliebender Mensch meinen. Es ist sowieso kaum verstehbar, warum Russland so an dem Feindbild „Amerika“ oder gar „der Westen“ (oder „die Nato“) festhält; als wenn das die Verkörperung des Bösen wäre.

Zur Zeit des Kommunismus gab es freilich einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Aber jetzt? Der Westen ist nicht fehlerfrei. Gut – aber ist „der Osten“ im Grunde wirklich ein Gegner oder „der Westen“ als Gegner? Wieso eigentlich? Und: worin? Ist nicht die überkommene Gegnerschaft auf beiden Seiten ein inzwischen überkommenes Relikt vergangener Zeiten? Frieden sollte doch die mögliche Parole sein. Warum eigentlich nicht Partnerschaft? Putin arbeitet ganz ordentlich dagegen an. Frieden bedeutet ihm offensichtlich verhältnismäßig wenig (Ukraine – Syrien). Er hofft auf die Gleichung: Krieg gleich Machtzuwachs. Alles andere ist ihm egal – das Leid der betroffenen Menschen zum Beispiel.

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