Leserbriefe

Psychiatrie: Sind das Patienten 2. Klasse?

13.09.2013, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Petra Geil, Nürtingen. Zum Artikel „Psychiatrie: Neuer Chefarzt ab Oktober“ vom 22. August. Grundsätzlich ist es eine Frechheit, wie die Abteilung Psychiatrie mit diesen dort zum Teil zwangsweise eingelieferten Patienten täglich umgehen muss. Das ist deren tägliche Arbeit, angefangen bei Pflegepersonal, Reinigungskräften, Therapeuten bis hin zu den jeweiligen Fachärzten, Oberärzten bis hin zum Ex-Chefarzt Dr. Roser. Jede einzelne Person versucht tagtäglich ihren schweren Job so gut es geht zu meistern! Meinen Respekt!

Aber die Umstände, unter denen das Personal zu arbeiten hat, um die Patienten zu heilen, sind schlicht und einfach menschenunwürdig! Es ist wie vor 50 oder 100 Jahren zur Irrenanstalt deklariert und nicht zu einem Krankenhaus, Abteilung Psychiatrie. Und das hat nichts damit zu tun, dass es sich um ein altes, renovierungs- beziehungsweise sanierungsbedürftiges Gebäude handelt. Dies nehmen wahrscheinlich auch die wenigsten Patienten – zumindest in den ersten Tagen nach der Einlieferung – wahr. Sondern, es werden dort psychisch kranke Menschen eingeliefert, alkohol- und drogenabhängige Patienten, Behinderte, Demenz- und/oder Alzheimer-Patienten, zum Teil in Handschellen von der Polizei oder sogar fixiert. Und wie sollen diese Menschen dort gesund beziehungsweise wenigstens wieder stabil genug zur Alltagsbewältigung entlassen werden?

Ich weiß nicht genau, seit wann die Diskussion um den Umzug beziehungsweise den Zusammenschluss mit anderen Kliniken läuft. Aber es geht ganz klar auf Kosten dieser kranken Patienten, die sich nicht wehren können. Jeder Patient, der einen Arm- oder Beinbruch erleidet, wird im neuen Nobel-Kreis-Krankenhaus auf dem Säer inklusive exklusivem Ausblick bestens versorgt.

Noch mal, es geht mir nicht um die Leistung der Pflegekräfte oder Ärzte. Sie leisten täglich mehr, als man sich vorstellen kann. Und sie fühlen sich unter diesen Umständen auch nicht wohl. Es geht ja schließlich auch seit Jahren um ihre Arbeitsplätze. Und keiner tut etwas. Aber warum? Sind denn diese Patienten in der Stuttgarter Straße doch immer noch Menschen zweiter Klasse?

Ich kann heute zum Glück für mich sagen, dass ich diese Klinik nie wieder stationär aufsuchen werde. Diese Erkenntnis habe ich allerdings erstens meiner starken Familie zu verdanken. Zweitens meiner eigenen Willenskraft, die ich wieder erlangt habe und drittens der tollen Betreuung durch das Team in der Stuttgarter Straße, speziell auf Station 2. Und ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich jemand diesen kranken Mitmenschen annimmt. Damit der nächste Chefarzt nicht auch nach kurzer Zeit dieses sinkende Schiff wieder verlassen wird.

Leserbriefe

Gar kein großartiges Bahnprojekt

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Nach Wandas Taufe beginnt die Arbeit“, vom 7. Oktober. Mit großer Begeisterung der regionalen Prominenz wurden am Albvorlandtunnel die Bohrmaschinen getauft. Die Wendlinger Geistlichkeit beider großen Konfessionen hat sich für diesen Missbrauch…

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