Leserbriefe

Prioritäten setzen

02.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Raimund Popp, Nürtingen. Seit letzter Woche ist angeordnet worden, dass man den Neubau des Hölderlin-Palastes neu überdenkt. Ich freue mich, dass man sich hierzu entschieden hat. Ob man dabei den Deckel der Geschichtsbelange drauflegt, ist mir relativ egal. Wenigstens das Zurückstellen für einen Moment finde ich gut. Ich habe einfach Angst beim Blick in die nahe Zukunft. Wer weiß schon, wie lange die Wirtschaftsrezession andauern wird ? Wir benötigen vielleicht das Geld für andere Aufgaben und Dinge der Stadt. Fünf Millionen sind ja nicht gerade ein Pappenstiel.

Der Neubau des Hölderlinpalastes ist ein Luxus, den wir zurzeit nicht wagen sollten. Zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort – keine Frage. Zur Verteidigung der Stadt und des Gemeinderats muss man aber auch sagen, dass niemand die aktuelle Situation vorhersehen konnte. Deshalb: einen Rückzug in Ehren soll keiner verwehren. Die Welt ist in einer Wirtschaftskrise, deren Ausmaß noch niemand erfassen kann. Auch Nürtingen wird an dieser Krise nicht unbeschadet vorübergehen. Es geht nicht darum, ob wir Geld verspekuliert hätten, sondern darum, dass die meisten Firmen, die ich kenne, schon bis zu 30 Prozent Rückgang verbucht haben. Niemand weiß, wie lange die anstehende Rezession gehen wird. Drei gute Jahre – zehn schlechte Jahre? Aber in dieser Zeit muss man dennoch Aufgaben lösen. Ein Beispiel ist das Verkehrsentwicklungskonzept.

Es gibt doch folgende Aufgaben in unserem Flecken: Soziale Ausgaben, Personalausgaben, Langzeitprojekte wie das Verkehrskonzept und kleine Projekte. Von dieser Situation ausgehend würde ich mich über zwei Dinge freuen: eine Prioritätenliste der Stadt und den Haushalt auf DVD.

Vielleicht hat man schon gemerkt, dass mir die zielorientierte Lösung von Verkehrsproblemen im Alltag mindestens gleichwertig ist wie das Überlagern von Denkmalbauten. Es ist halt alles eine Frage der Prioritäten.

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