Leserbriefe

Politik sollte ihren Job endlich richtig machen

13.02.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Uta Bürk, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Nur an die Vernunft zu appellieren, das reicht nicht“ vom 9. Februar. Am Rosenmontagmorgen war ich nach einem Drittel meiner sonstigen Fahrtzeit am Arbeitsplatz im Stuttgarter Hafen. Im Display leuchtete mich ein freundliches 4,7 l/100 km an, und ich stieg zufrieden aus dem Auto. Wenn nun jemand auf die Idee kommt, dies ja doch auch mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV zu erreichen, so muss ich leider widersprechen. Die nächstgelegene öffentliche Haltestelle ist über drei Kilometer von meinem Arbeitsplatz (und auch dem meiner Kollegen) entfernt. Auch die Fahrt zum Nürtinger Bahnhof, der Fußweg zum Bus und der Heimweg hier im Ortsteil sind kein Klacks. Nach Feierabend gilt es noch die kranke Mutter in Stuttgart zu versorgen und Apotheken in anderen Stuttgarter Teilorten anzufahren, weil die früher dort ansässige geschlossen wurde (genau wie nun auch in Neckarhausen!). Auch meine hiesige Familie muss versorgt werden – diese Einkäufe passen nicht auf ein Fahrrad oder in den Bus!

Und dass wir als Familie einmal so weit von der Arbeit wegziehen würden, war nicht unsere Absicht. In Stuttgart und Esslingen gab und gibt es einfach nicht genug bezahlbaren Wohnraum für Familien. In all den Jahren hat sich keine Besserung eingestellt. Jetzt ist die nächste Generation noch weiter als wir von der Arbeitsstelle weggezogen – und natürlich noch eher auf das Auto angewiesen, denn so früh morgens gibt es keine akzeptable ÖPNV-Verbindung. Die Verkehrsverbünde Naldo und VVS mögen sich halt immer noch nicht. Und das alles weiß man angeblich erst seit gestern, und manche Träumer wundern sich, wo auf einmal so viele Autos herkommen. Dieses immer noch ungelöste Infrastrukturproblem der Region sollte nun endlich mit dem nötigen Weitblick angepackt werden. Stattdessen werden völlig sinnlose Vorschläge eines Professors zur Sperrung ganzer Fahrspuren auf den Hauptschlagadern des Straßenverkehrs publiziert.

Und die Politik? Die setzt nun auf freiwillige Fahrverzichte der arbeitenden Bevölkerung. Das ist geradezu erbärmlich. Wer kümmert sich denn um die Alten und Kranken? Das sind doch hauptsächlich die jüngeren Angehörigen, also die arbeitende Bevölkerung, vor und/oder nach ihrem Job. Wie soll so etwas mit dem derzeitigen ÖPNV funktionieren? Mein Appell: Schafft mehr arbeitsplatznahe Wohnmöglichkeiten; baut mehr Kreisverkehre statt schlecht programmierte und viel zu helle Hi-Tech-LED-Ampeln; schafft ausreichend P&R-Parkplätze, ohne gleich wieder an monetäre Gewinne zu denken. Und sorgt endlich dafür, dass Bagatell-Unfallstellen auf den Hauptverkehrswegen schneller geräumt werden. Macht endlich euren Job, so wie wir dies auch tun.

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