Leserbriefe

Pachtverträge laufen noch

27.02.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Bauknecht, Nürtingen, Landwirt. Ich bin tief beeindruckt darüber, wie viele Bürger an der Menschenkette auf dem Großen Forst teilgenommen haben und die Schutzgemeinschaft unterstützten. Dafür möchte ich mich im Namen der Landwirte und der Schutzgemeinschaft herzlich bei allen bedanken. Schade, dass nur wenige Stadträte dieser Einladung gefolgt sind.

Die Menschenkette zeigte, dass die Bürger der Stadt Nürtingen um die Zukunft des Großen Forstes sehr interessiert und besorgt sind. Deshalb sollten die Bürger entscheiden, wie es mit dem Großen Forst weitergehen soll, wie es in einer bürgerfreundlichen Stadt üblich sein sollte.

Unsere Kreisstadt Esslingen geht mit gutem Beispiel voran. Dort läuft seit Februar 2007 ein Zukunftsprojekt Anliegen der Bürger ES 2027. Hier sind die Bürger aufgefordert, ihre Meinung kundzutun.

Unser Oberbürgermeister will sich scheinbar unbedingt auf diesem Ackerland ein Denkmal setzen. Zuerst war er mit der Versuchsanstalt Böhringer-Ingelheim, einem Tierheim und jetzt mit der Firma Boss in Verhandlungen. Dieselben Firmen haben bereits in anderen Städten wie Reutlingen, Tübingen und Wendlingen Absagen bekommen. Sollen wir Nürtinger das nehmen, was die anderen Städte nicht haben wollen?

Durch seine teilweise Geheimniskrämerei hat Oberbürgermeister Heirich viele Stadträte auf seine Seite bekommen, sonst hätte er nicht Parolen verkünden können wie Bis im Sommer soll das Boss-Projekt in trockenen Tüchern liegen und die Bagger sollen ab Herbst rollen, wie es Zeitungen und Radio zu entnehmen war. Ich hoffe sehr, dass die Stadträte nochmals über die Ausmaße und die Vor- und Nachteile des Projekts nachdenken und bei der Abstimmung, jetzt wo die Fakten bekannt sind, dagegen stimmen werden.

Ich kann mir außerdem nicht vorstellen, dass alle Eigentümer bei diesem niedrigen Preis so schnell verkaufen werden, und eine Enteignung ist bei diesem Projekt Großer Forst nicht gegeben. Abgesehen davon wurden uns Landwirten die bestehenden Pachtverträge bisher nicht gekündigt. Das heißt, wir dürfen die Fläche bis mindestens 31. Dezember 2010 bewirtschaften, zum Teil sogar noch länger, je nach Pachtvertrag. Pachtverträge werden laut Gesetz durch Kauf/Verkauf nicht gebrochen.

Für die Bürger der Stadt sollte man auch zukünftig die Lebensqualität erhalten und nicht nur wegen ein paar Arbeitsplätzen, die in Nürtingen auch auf weniger wertvoller Fläche oder in Industriebrachen geschaffen werden könnten, die schöne Albvorlandschaft und den Lebensraum wie auch die Existenzen der Landwirte vernichten. Der Flächenverbrauch kann nicht so weitergehen, auch für zukünftige Generationen sollten noch Flächen erhalten werden. In ganz Deutschland gibt es momentan 500000 Hektar Industriebrache. Was haben die Nürtinger Bürger davon, wenn das Boss-Lager vielleicht in ein paar Jahren auch leer steht wie das ebenso große Lager in Laichingen?

Leserbriefe

Nicht nur gegen die AfD demonstrieren

Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Ein Austausch um jeden Preis?“ vom 8. Dezember. Es hat sage und schreibe anderthalb Jahre gedauert, bis der Fachrat für Interkulturelle Zusammenarbeit (FIZ) endlich zur Kenntnis genommen hat, dass der vom Oberbürgermeister, dem Integrationsbeauftragten, dem…

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