Leserbriefe

Oberste Priorität für die Industrie

20.06.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. Wir befinden uns jetzt in der Phase des Ausstiegs vom Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomenergie. Wenn aber, wie Fachleute befürchten, durch das Abschalten der KKWs erhebliche Engpässe in der Stromversorgung auftreten und lebensgefährliche Blackouts auftreten, dann kommt es zum nächsten Ausstieg aus dem jetzigen Ausstieg. Das ist Politik-Deutsch und so konfus wie das ganze Thema. Wer nach diesem Schema regiert, verliert seine Glaubwürdigkeit.

Wenn Frau Merkel sich bei ihren Entscheidungen auf die Vorgänge bei der Katastrophe in Fukushima stützt, kann man nur sagen, Hysterie und Emotionen waren noch nie die richtigen Ratgeber. Der Atomausstieg festgeklopft auf 2022 ist eine fatale Entscheidung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Kein Wirtschaftsboss kann sich mit dem jahrelangen Experimentieren mit dem Artikel Energie einlassen. Wer für Tausende Arbeitsplätze verantwortlich ist, braucht Sicherheit in kontinuierlicher Lieferung und moderate Preise, um sich auf dem Weltmarkt gegen Konkurrenz durchsetzen zu können. Gerade darin sind erhebliche Zweifel angebracht.

Über die Kosten wird nur ganz zaghaft berichtet, wie teuer die Umstellung auf erneuerbare Energie für den Einzelnen wird, doch über die Milliarden Entschädigungen für die verrottenden Atomruinen herrscht Schweigen. Auch bei der Zuverlässigkeit sieht es nicht gerade rosig aus. Der Windpark im Schwarzwald liefert statt der angepeilten 64 Millionen Kilowattstunden nur die Hälfte. Kein Wunder, die Schwaben verstehen sich eben nicht darauf, Wind zu machen. Dieses Land hängt mit seinen 41 Millionen Arbeitnehmern von einem adäquaten Export ab. Deshalb sollte oberste Priorität ohne Abstriche für unsere Industrie gelten.

Die ganze Welt schüttelt den Kopf über den deutschen Alleingang. Ohne Not opfern wir ein gutes Stück Souveränität und machen uns vom Ausland abhängig. Umsteigen ja, behutsam, peu à peu und kostenerträglich. Dogmatische Brachialgewalt nutzt niemand. Es geht in Deutschland gut, kein Feind in Sicht, die Krise mit Bravour gemeistert, Vollbeschäftigung wird angepeilt. Niemand will, dass sich das Sprichwort bewahrheitet: „Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis tanzen“.

Leserbriefe

Nicht nur gegen die AfD demonstrieren

Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Ein Austausch um jeden Preis?“ vom 8. Dezember. Es hat sage und schreibe anderthalb Jahre gedauert, bis der Fachrat für Interkulturelle Zusammenarbeit (FIZ) endlich zur Kenntnis genommen hat, dass der vom Oberbürgermeister, dem Integrationsbeauftragten, dem…

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