Leserbriefe

Nur ein kollektiver Aufschrei hilft

23.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Olga Herbstreit, Nürtingen. Zum Leserbrief „Die Qualität von Pflegeeinrichtungen“ vom 19. Januar. Endlich auch ein Bericht über die Bewohner, die in Pflegeeinrichtungen im Kreis Nürtingen untergebracht sind. Eine Pflegeeinrichtung zu finden, der wir unsere Eltern anvertrauen, ist nicht einfach. Meine Mutter (Pflegestufe 3) ist seit zirka sechs Jahren in einem Pflegeheim in Nürtingen untergebracht. Die Pflegekräfte dieser Einrichtung sind mir damals mit leuchtenden Augen begegnet. Sie haben ihre Arbeit mit viel Freude und Engagement erledigt und haben die Bewohner mit Liebe und Respekt behandelt.

Mit dem Wechsel des Heimträgers kam plötzlich eine enorm hohe personelle Fluktuation auf. Der Personalschlüssel wurde gekürzt und die Fachpersonalquote schrumpfte. Es wird überwiegend mit Hilfskräften gearbeitet. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht mehr. Ziel des Heimträgers ist ausschließlich die Gewinnmaximierung.

Der Pflegenotstand in Deutschland ist bekannt – aber warum werden gerade die alten, pflegebedürftigen und hilflosen Menschen hierzulande derart entwürdigend behandelt und zum Teil lebensbedrohlichen Bedingungen ausgesetzt?

Das Bundesministerium für Gesundheit hat seit 2007 eine Charta der Rechte hilfs- und pflegebedürftiger Menschen ins Leben gerufen, um die Lebenssituation in den Pflegeeinrichtungen zu verbessern. Aber dies scheint niemanden zu interessieren. Warum lösen Skandalberichte in der Öffentlichkeit nur hilflose Empörung aus? Warum droht engagierten und couragierten Pflegekräften der Verlust ihres Arbeitsplatzes, wenn sie sich an die Heimaufsicht, den Medizinischen Dienst beziehungsweise an die Krankenkassen wenden?

Dass mit menschenunwürdiger Pflege Geschäfte gemacht werden, ist der Heimaufsicht bekannt. Auch von meiner Seite werden sämtliche Missstände regelmäßig an die Heimaufsicht weitergeleitet. Aber niemand hat Interesse daran, etwas zu ändern. Bei der Überprüfung der Pflegedokumentation ist immer alles „in bester Ordnung“. Auch ich bin der Meinung – wie Herr Leonard Lindner –, dass nur ein kollektiver Aufschrei von Pflegekräften, Angehörigen, gesetzlichen Betreuern und den Ärzten die Situation der hilflosen, pflegebedürftigen Menschen verbessern kann.

Wer schweigt, macht sich mitschuldig!

Leserbriefe

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