Leserbriefe

Nürtingen und der Einzelhandel

06.03.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans-Peter Geil, Nürtingen. Zum Artikel „Schluss mit der Kannibalisierung“ vom 26. Februar. Wieder einmal gelang es, entgegen allen Grundsätzen und wohl heuchlerischen Versprechungen, zweierlei Rechtsauslegungen in diesem Bundesland an die Grenzen der Regierungsbezirke zu heften. Basis scheint ein gekauftes Gutachten zu sein, das der Regierungspräsident von Südwürttemberg zur Grundlage seiner Entscheidung gemacht haben soll. Gutachten ersetzen gewöhnlich eigene Kompetenz. Erstaunt bin ich über die Reaktion des Nürtinger OB. Erst wollte er Boss alles opfern, jetzt schlägt sein Vollblut-Herz für den Nürtinger Handel. Mein vierjähriger Enkel erklärte mir vor vier Tagen, was ein Chamäleon ist. Ganz verstanden habe ich es wohl nicht.

Der Schwarze Peter ist wieder unterwegs. So fragt der OB nach der Investitionsbereitschaft des Nürtinger Handels. Ich frage, was nützt eine Investition bei einer derart miserablen Erschließung unserer Stadt. Der ZOB (Eingangstor) ist eine reine „Wohlfühl-Oase“, Sinnbild für die verwaltete Stadt. Die Fußgängerstraßen lassen sich an Gehfreundlichkeit und Ästhetik weltweit nicht mehr überbieten. Ebenso die Ignoranz, mit der diesen Fragen von der Verwaltungsspitze, aber auch vom Gemeinderat seit Jahrzehnten begegnet wird. Und die ständig angemahnte „Attraktivität“ wird damit nicht nur zum Rohrkrepierer, sondern zur Demontage aller Anstrengungen. – Wir haben in Nürtingen absolute Glanzlichter, die ein Alleinstellungsmerkmal für eine Stadt sind. Sprechen wir doch einmal davon und anerkennen wir die – wenn auch gelegentlich kleinen – Anstrengungen des Nürtinger Einzelhandels. Die allem zum Trotz gewaltige Resonanz der Aktionstage müsste die lieblosen Kritiker doch etwas konstruktiver werden lassen. Hier jetzt die Frage an den OB: Wer steigt mit Hab und Gut, mit Hals und Kopf in einen Zug ein, dessen Ziel er nicht kennt und dessen Lokführer immer wieder um seine Glaubwürdigkeit kämpft?

Da sind die kontraproduktiven Ideen nach zehn Jahren Amtszeit: Einkaufszentrum auf dem ZOB, „Bahnstadt Nürtingen“, „Östliche Kirchstraße“. Wo bleibt der Blick für Realität und Ziel? Nach der bisherigen Erfahrung bleiben Nürtingen so, zusammen mit einem brillanten Planungsamt, noch weitere fünf Jahre der Perspektivlosigkeit. Wer soll da investieren? Wer will hier Nachfolger werden? Es bleibt aber auch die Frage an die Wähler dieser Stadt, die solche Verhältnisse schaffen. Bei gutem Willen und Verzicht auf alle Eitelkeiten und Ideologien könnte mit einem Zusammenrücken aller Kräfte, auch mit dem OB, Nürtingen eine Heimat sein, auf die wir tatsächlich stolz sein dürfen. Jeder hat Schwächen, jeder hat Stärken. Beides geschickt zusammengefügt macht Nürtingen stark und könnte uns allen Zuversicht geben.

Leserbriefe

Friedens-Nobelpreis gegen Atombomben

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Der Appell“ vom 7. Oktober. Es kommt selten vor, dass ein Kommentar von Wolfgang Molitor in der Nürtinger Zeitung Zustimmung finden kann, aber diesmal hat er mit Recht den Friedensnobelpreis gelobt, den die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von…

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