Leserbriefe

Nürtingen braucht öffentliche Toilette

11.09.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hellmut Kuby, Nürtingen. Zum Artikel „Weindorfgeflüster“ vom 29. August. Selbstverständlich braucht Nürtingen in der Innenstadt eine öffentliche Toilette. Sie ist so wichtig wie die Straßenbeleuchtung. Dies war wohl auch (einst) die Erkenntnis der Stadtväter, denn es gab am Lampertplatz – wer erinnert sich noch an diesen kleinen intimen Ort? – eine richtige öffentliche Toilette. Sie war nicht vom Allerfeinsten, aber sie war rund um die Uhr benutzbar.

Als Folge der chronischen Finanznot verkauft die Stadt bekanntlich aus ihrem Eigentum, was Geld bringt – vornehmlich Grundstücke. So auch den Lampertplatz. An einen Investor, der baute dort, baurechtlich bis zum Letzten ausgenutzt, ein für das Stadtbild (viel zu) großes Renditehaus. Warum hat die Stadtverwaltung den Erwerb des Bauplatzes nicht davon abhängig gemacht, dass in dem Haus eine öffentliche Toilette integriert werden muss? Entweder hat man gar nicht an diese Möglichkeit gedacht oder geglaubt, das Problem sei durch die Neuerung „Nürtinger Toilette“ – eine Initiative der Stadt und der beteiligten Einrichtungen – gelöst.

15 „Einrichtungen“, davon elf in der Innenstadt, erlaubten die Benutzung ihrer Toilette, allerdings nur zu den Öffnungszeiten (zum Beispiel Rathaus, Stadtbüro der Nürtinger Zeitung). Konsequenz: auch am Sonntag war dies nur bis 23 Uhr im Eiscafé Pra, im Hotel am Schlossberg und in der Zentralbar möglich.

Wie die Erfahrungen im Bereich der Kreuzkirche beweisen, blieb dieser Initiative der Erfolg versagt und so beschäftigt diese Frage zu Recht weiter die Nürtinger Öffentlichkeit. Deshalb muss eine öffentliche Toilette vor (anderen) Schönheitsverbesserungen Priorität haben. Sie ist kein Luxus, sondern eine „Not“-wendigkeit. Sie kostet was. Die bisher im Zusammenhang mit der Schillerplatz-Neugestaltung erwogenen Provisorien sind abwegig. Zumal die bauliche Situation in der Innenstadt nicht besser sein könnte. Mit einem Anbau an die Zentralbar auf ihrer Westseite (gegenüber die Heiligkreuzstraße) könnte eine ideale Planung verwirklicht werden. Wie so eine gegen Vandalismus sichere und wartungsgünstige Anlage aussehen würde, dafür gibt es genügend nachahmenswerte Beispiele.

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