Leserbriefe

Niemand fragt nach dem Aufwand

30.04.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Johan Homburg, Nürtingen, Bestattermeister und geprüfter Thanatopraktiker. Zum Artikel „Preiserhöhung von 25 Prozent nicht hinnehmbar“ vom 24. April.

Da hat der Gemeinderat Neckartailfingen ein schlechtes Licht auf ihren langjährigen Vertragspartner geworfen. Seit circa 20 Jahren erfülle ich schon die kommunalen Aufgaben auf dem Friedhof in Neckartailfingen. Jede Menge Gräber wurden erstellt und wir waren immer bereit, auch die manchmal fast unmöglichen Aufgaben und Wünsche der Gemeinde durchzuführen. Wie das umgesetzt werden sollte, war dem Gemeinderat nie wichtig. Hauptsache, der Friedhof „läuft“. Ein Gespräch bezüglich irgendwelchen Planungen hat mit uns nie stattgefunden. Es war meistens eine „Friss oder stirb“-Situation nach der Planung.

Welcher Arbeitsaufwand nötig war, um die kommunalen Wünsche zu erfüllen, wurde nie mit uns geklärt. Erst wenn mit einer fünfmonatigen Vorankündigung, nach fünf Jahren stabiler Vergütung, eine Anpassung stattfinden soll, äußert sich der Gemeinderat über „nicht hinnehmbare“ Kosten. Niemand spricht über die komplizierten Aufgaben. Keiner erwähnt, warum kein Unternehmer ein Angebot abgeben will für die Aufgaben auf dem Friedhof in Neckartailfingen. Jeder Quadratzentimeter des Friedhofs soll genutzt werden. Über Arbeits- oder Zugangsflächen wird nicht nachgedacht.

Mir scheint, dass für den Gemeinderat das optische Erscheinungsbild des Friedhofs viel wichtiger ist als die Kombination zwischen Optik, Erreichbarkeit der Gräber und sinnvoller Kosten-Nutzen-Kalkulation. Wenn die Kommune von Anfang an eine kooperative Planung und mehr Zeit für die Kommunikation mit ihrem Vertragspartner angestrebt hätte, wäre der Friedhof ganz sicher sinnvoller zu betreiben und zu bedienen und würde auch für die Bürger von Neckartailfingen einen Mehrwert darstellen. Dann hätten bestimmt auch mehr Unternehmen Interesse, die Aufgaben auf dem Friedhof zu erfüllen und ein entsprechendes Angebot abzugeben. So wie der Friedhof jetzt gestaltet ist können manche Unternehmen nicht auf dem Friedhof arbeiten oder ist es einfach zu aufwendig. Anstatt Kompetenzen zu nützen, macht man sie lieber schlecht.

Leserbriefe

Schon vergessen? Das ist keine Alternative

Andreas Melcher, Frickenhausen. Zum Leserbrief „Postfaktisch und die Arbeit der Presse“ vom 14. Januar. Niemand muss sich wundern, dass der Begriff „postfaktisch“ mit „Lügenzeit“ gleichgesetzt wird. Genauso ist das nämlich von der Gesellschaft für Deutsche Sprache gemeint. Wer damit ein Problem…

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