Leserbriefe

Nichts Neues bei Mehrheit

16.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, surfe ich am PC durch die Presselandschaft. Täte Stadtrat Kunzmann das auch, müsste er nicht aufopferungsvoll über schlaflose Nächte klagen. Seit Mitte Juli hat sich nämlich allerhand getan, in Metzingen, in Hochdorf, am Finanzmarkt, bei Boss – und in den Pressekommentaren. Die Mehrheit im Rathaus erklärt jedoch in dürrer Einstimmigkeit: Nichts Neues. Sie verschanzt sich hinter der Rechtsauffassung einer Stuttgarter Kanzlei, die als verbindliche Rechtsnorm ohne Alternativen vorgestellt worden ist. Welch ein Irrtum, welch dreister und fataler Denkfehler!

Der Finanzvampir Permira ist mit der Firma Boss auf ein Viertel des Kaufwertes abgeschmiert. Das begann schon vor der Bankenkrise. Die Konsequenz eines Kapitaleinbruchs für versprochene Arbeitsplätze und Gewerbesteuer kennt jeder. Inzwischen hört man bei Boss von Einschränkungen auf kleinere Bauphasen und von Terminverschiebungen. Das sind vorsichtige Absetzbewegungen von der früheren Vollmundigkeit: Behutsam aussteigen, keine Wellen machen. So wie die hiesige SPD-Fraktion, die rechtzeitig zur Kommunalwahl schielt und nach Metzingen fleht: Bitteschön noch viel ökologischer bauen als geplant und das Hochregallager zum Tiefregallager machen, indem man es unter die Erde bringt.

Gleichzeitig meldet der Nürtinger Oberbürgermeister, alles sei in trockenen Tüchern, die Stadt habe ihre Hausaufgaben gemacht, und mit dem Gewerbezweckverband (GZV) sei alles paletti. Er sitzt wie jener Grimm’sche Igel an beiden Enden der Rennbahn (hie Bürgermeisteramt, dort Vorsitzender des GZV) und lässt den Hasen hin- und herspringen. Die unsägliche Überschrift seiner Pressemitteilung ist zurückzuweisen: „Die Bürgerinitiative will Zweifel und Zwietracht säen“. Die Pressestelle des Rathauses sollte wissen: Zweifel sät man nicht, Zweifel keimen, wachsen, melden sich dort, wo nicht mit offenen Karten gespielt, wo genasführt und getrickst wird. Und: Streiten ist nicht Zwietracht säen! Diese sprachlichen Holzereien erinnern fatal an den neuen Stil der gemeinderätlichen Sitzungsleitung, andere Auffassungen und deren Vertreter herablassend auszugrenzen.

Sigrun Binder aus Beuren schrieb kürzlich auf der Seniorenseite: Jung ist, wer sich für seine Heimat einsetzt, wer sich zu Wort meldet. Mit Querulantentum habe das nichts zu tun. Danke, Frau Binder!

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