Leserbriefe

„Nicht entwürdigend ins Gesicht spucken“

06.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rainer Christmann, Altenriet. Zum Artikel „EU fordert Athen zu weiteren Sparmaßnahmen auf“ vom 2. März. Um es vorneweg auf den Punkt zu bringen, ich bin immer wieder erschrocken über die grenzenlose Dummheit und Instinktlosigkeit einiger deutscher Politiker. Wenn man Aussagen hört wie „Die Griechen sollen unbewohnte Inseln verkaufen, um ihre Finanzprobleme zu lösen“, dann denkt man an Biertisch-Parolen geistig minderbemittelter Personen oder dass sich jemand einen Scherz erlauben wollen hat, nicht aber an deutsche Politiker. Leider sind es auch noch Politiker, die sich „Finanzexperte der FDP“ oder „Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung“ nennen. Mir graust es, dass solche Leute unsere Geschicke im Bundestag mitbestimmen.

Bei aller Kritik, die an dem Gebaren der Griechen mit ihrer sicherlich ausgeprägten Korruption auch angebracht ist, so sollte man, auch in unserem eigenen Interesse, nicht noch einem am Boden Liegenden zusätzlich entwürdigend ins Gesicht spucken. Es kann daraus sehr schnell Hass entstehen, wie uns in den letzten Tagen deutlich vor Augen geführt worden ist.

Dieses sich gegenseitig Beschuldigen und Hochschaukeln zwischen Deutschen und Griechen führt zu gar nichts und vergiftet eine über Jahre und Jahrzehnte gewachsene europäische Gemeinschaft und Wertschätzung. Gleichzeitig lenkt es von den eigentlichen Schuldigen dieser jetzigen Misere ab, nämlich den internationalen Banken und deren Spekulanten. Allen voran amerikanische, zum Beispiel Goldman Sachs, und englische Banken nutzen diese Situation gnadenlos für ihre eigene Profitgier aus – nur mit dem Ziel, durch Spekulationsgeschäfte auf die Zahlungs(un)fähigkeit Griechenlands und den Verfall des Euro Gewinne zu scheffeln. Hier gilt es neben den Aufgaben, die Griechenland selbst erledigen muss, durch die EU anzusetzen und einen Riegel vorzuschieben.

Schaut man sich die Staatsverschuldung in der EU an, so weist doch nicht nur Griechenland eine exorbitante Verschuldung auf. Länder wie Irland, Portugal und vor allem wirtschaftlich große Länder wie Spanien und Italien sind ähnlich betroffen und kein Politiker klagt diese Länder so an wie Griechenland. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen und die Finanzprobleme innerhalb der EU nahezu allein auf dem Rücken der Griechen ausgetragen.

Ich möchte damit nicht zum Ausdruck bringen, dass Griechenland schuldlos an dieser Krise ist – weiß Gott nicht. Die Griechen haben über Jahre maßlos über ihre Verhältnisse gelebt und das Geld, das sie aus der EU erhielten, verprasst und unter anderem in Prestigeprojekte wie den Athener Flughafen oder die Ausrichtung der Olympischen Spiele investiert. Aber sie haben es von der EU auch sehr leicht gemacht bekommen. Die Kontrolle über die Geldströme wie auch die des Haushaltsdefizits waren seitens der EU mehr als lasch, umso verwunderter sind die Griechen nun, dass so viel Druck seitens der EU kommt.

Abschließend möchte ich sagen, dass wir als Deutsche und Griechen schnellstmöglich wieder zu einer sachlichen Betrachtung der aktuellen Finanzkrise zurückkommen und gemeinsam an Lösungen zur Bewältigung der Krise arbeiten müssen, ohne Polemik und ohne dumme, unangebrachte Bemerkungen.

Leserbriefe

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