Leserbriefe

Nicht einfach tatenlos zuschauen

28.01.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Andreas Bergholz, Nürtingen. Björn Höckes Rede wärmt die Frage nach der Schuld wieder auf. Sollten wir uns schuldig fühlen oder fühlen sich die Deutschen nicht schuldig genug? Ich finde, hier von Schuld zu reden täuscht über das hinweg, was viele in diesem Land empfinden. Denn von Schuld kann nicht die Rede sein.

Die Aufarbeitung der Geschichte eines Landes soll vor allen dem Zweck dienen, aus ihr zu lernen, Fehler nicht zu wiederholen und sich der Verantwortung zu stellen, die aus ihr hervorgeht. Wir können uns nicht dafür verantwortlich machen für die Verbrechen, die die Nazis damals begangen haben. Wir waren nicht dabei. Doch was ich immer empfunden habe, wenn ich im Geschichtsunterricht oder anderswo mit dem Nationalsozialismus konfrontiert worden bin, ist die Frage, wie Menschen tatenlos zuschauen konnten, als diese nicht in Worte zu fassenden Verbrechen begangen worden sind. Diese Frage kann und will ich in diesem Beitrag nicht beantworten. Auf was ich hinaus möchte ist, was viele Bürger dieses Landes in ihrem Herzen tragen: so etwas nie wieder zuzulassen. Nicht die Schuld bestimmt unsere Handlung, sondern die Verantwortung, die wir tragen. Jeder Einzelne von uns, jeden Tag. Ob Deutscher oder nicht.

Doch was bedeutet diese Verantwortung für unseren Alltag? Es reicht nicht aus, sich seinen Teil zu denken, wenn in aller Öffentlichkeit ein junges Mädchen beschimpft wird, weil sie ein Kopftuch trägt. Es reicht nicht aus, der Familie oder Freunden nicht zu widersprechen, wenn sie wieder anfangen, völlig pauschal gegen Flüchtlinge zu hetzen. Und es reicht nicht aus, den Populisten seine Stimme zu geben und im Nachhinein zu sagen, man hätte es nicht wissen können, was da für Leute tätig sind. Denn die Rede, welche deutlich zeigt, welch Geistes Kind Höcke ist, kann sich jeder selbst anschauen, wenn er nur den Willen dazu hat.

Heute ist die Zeit, in der wir uns unserer Verantwortung stellen müssen. Aufstehen müssen und nicht länger schweigen. Nicht morgen. Nicht übermorgen. Heute. Denn ich möchte mich nicht eines Tages vor meinen Kindern oder ihren Kindern rechtfertigen müssen, warum ich tatenlos zugeschaut habe.

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