Leserbriefe

Naturschutz führt ein Schattendasein

26.03.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Roland Appl, NT-Reudern, Sprecher des Nabu-Kreisverbandes Esslingen. Zum Artikel „Gesucht: Flächen für günstiges Wohnen“ vom 4. März. Nachdem sich Nürtingens Oberbürgermeister Heirich bereits im Januar im Interview mit Frau Lieb darüber ausgelassen hatte, dass ein ins Auge gefasstes Baugebiet Bergäcker am Einspruch des Naturschutzes scheitern könnte, wird OB Heirich im oben genannten Artikel wieder mit dem Argument zitiert, dass die Stadt Nürtingen bei der Suche nach Flächen für sozialen Wohnungsbau durch den Hochwasserschutz und durch Naturschutzgebiete eingeschränkt sei. Nürtingen verfügt mit 46,9 Quadratkilometer zwar über die größte Markungsfläche aller Städte und Gemeinden im Landkreis. Ein Naturschutzgebiet, von denen es im Landkreis immerhin 29 Stück gibt, sucht man auf Nürtinger Markung allerdings vergebens, obwohl es hierfür durchaus Vorschläge gab und gibt.

Was OB Heirich vermutlich meint, sind einige kleine flächenhafte Naturdenkmale, zum Beispiel entlang der Bahnlinie im Bereich Bergäcker oder die „Untere Insel“ in Zizishausen, oder auch Landschaftsschutzgebiete, von denen sich allerdings nur zwei bis hinein in die Stadt ziehen, nämlich Galgenbergpark und Hochfläche des Ersbergs. Solche grünen Lungen innerhalb der Stadt, von denen es leider sehr wenige gibt, und die von den Nürtingern als Erholungsflächen sehr geschätzt werden, sollten in der Tat als Baulandreserve tabu sein.

Was die Einschränkungen durch Hochwasserschutz anbelangt, so kann sich Nürtingen in die Riege der Städte und Gemeinden einreihen, die in den letzten Jahrzehnten die Talauen überbaut haben. Flächen wie „Im Rieth“ oder „In der Au“, die früher als Puffer bei Starkregen zur Verfügung standen, sind heute versiegelt. Hochwasserschutz ist deshalb heute nicht nur am Neckar selbst ein Thema, die Hochwassergefahrenkarte des Landes weist heute gefährdete Bereiche bis über die Bahnlinie hinaus auf. In Kenntnis dessen ist es für mich nicht nachvollziehbar, wieso zum Beispiel an den Plänen zur Wörth-Bebauung festgehalten wird und nicht weiter vom Neckar abgerückt wird.

Entlang der Metzinger Straße gegenüber dem Meistermax ließen sich, wie von den Naturschutzverbänden im Rahmen der „Runden Tische“ vorgeschlagen, durchaus Bauflächen erschließen, die auch für den Bau von Sozialwohnungen interessant wären. Darüber hinaus entstünde entlang des Neckars Platz für einen kleinen Park und nicht nur für Alibi-Grün, wie jetzt geplant.

Dass in Nürtingen der Naturschutz ein Schattendasein führt, sieht man zum Beispiel auch daran, dass die Position des Umweltbeauftragten immer weiter herabgestuft wurde. War die Stelle einst beim Technischen Beigeordneten angesiedelt, so befindet sie sich heute innerhalb des Planungsamtes, dessen Planungen vom Umweltbeauftragten mit beurteilt werden sollen.

Leserbriefe

Gar kein großartiges Bahnprojekt

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Nach Wandas Taufe beginnt die Arbeit“, vom 7. Oktober. Mit großer Begeisterung der regionalen Prominenz wurden am Albvorlandtunnel die Bohrmaschinen getauft. Die Wendlinger Geistlichkeit beider großen Konfessionen hat sich für diesen Missbrauch…

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