Leserbriefe

Nacktscanner als Wundermittel?

15.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heinrich Freer, Nürtingen, Sprecher der Linksjugend. Es ist erstaunlich, wie fast einmütig unsere Mitbürger glauben, dass der Einsatz von „Nacktscannern“ zu mehr Sicherheit der Flugreisenden führt. Die Nürtinger Zeitung ist sicher, was die von ihr selbst produzierten Beiträge anbelangt, eine seriöse und sorgfältig recherchierte Informationsquelle. Nationale und internationale Berichterstattung bezieht sie jedoch von den Stuttgarter Nachrichten, die sie wiederum auf dem Nachrichtenmarkt kauft. Nachrichten sind Waren. Sie werden wie solche gehandelt, haben einen Gebrauchs- und einen Tauschwert. Der Gebrauchswert für den Leser ist kritisch zu sehen. Sein Bedürfnis nach wahrhaftiger, sachlicher Information steht für den Verkäufer der Ware „Nachricht“ nicht im Vordergrund. Er will beim Verkauf einen Höchstpreis erzielen. Das geschieht durch Eingehen auf die bewussten und unterbewussten Wünsche und Interessen des Käufers, die von der Marktforschung ständig ermittelt werden.

Besonders gut verkaufen sich Nachrichten, die Ängste des Käufers um Leib und Leben durch Terrorismus und andere Verbrechen oder Sehnsüchte thematisieren. Die Produzenten dieser Nachrichten stützen sich in der Regel nicht auf polizeiliche Ermittlungsakten – wenn diese vorliegen, wäre die Nachricht schon lange von anderen Aufregern überholt worden. Was bleibt, ist das, was die Journalisten in der Regel nicht selbst wahrgenommen haben, sondern nur wie bei der „stillen Post“ von einem anderen gehört haben, der es wiederum von einem anderen gehört hat. Oder aber sie haben ihre Informationen aus Quellen, die selbst finanzielle oder politische Interessen daran haben, dass die Ware, die sie verkaufen wollen, einen möglichst hohen Tauschwert erhält.

Dies trifft auf Unternehmen zu, die zum Beispiel Medikamente gegen die Schweinegrippe produzieren und es deshalb gerne sehen, wenn die Presse vor Pandemien warnt. Technikgläubige sehen den Nacktscanner als Wundermittel, das uns weiterbringt im „Kampf gegen den Terrorismus“. Das möchten die Hersteller dieser Geräte und sie haben großes Interesse daran, dass die Medien voll sind von Flugzeugentführungsgeschichten. Kein normaler Medienkonsument weiß bis heute, was tatsächlich in Detroit geschah.

Jeder Politiker, der jetzt schon wieder mit dem Hinweis auf Detroit am Grundgesetz herumknabbern will, ist ein Lügner. Er weiß es nämlich auch nicht! Derartige Gesetze sind seine „Ware“, die er gegen ruhige, fügsame Bürger, die ihn bewundern und wieder wählen, eintauschen möchte. Sämtliche hierzulande abgeurteilten „Terroristen“ sind nicht durch Nacktscanner oder ähnlichen Schnickschnack überführt worden, sondern durch solide Polizeiarbeit. Diese ist allerdings sehr sach- und personalintensiv und kostet eine Menge Geld. Das haben wir aber nicht, weil es in Form von Steuergeschenken an Besserverdienende und Millionenerben wandern soll!

Leserbriefe

Gambia ist kein sicheres Herkunftsland

Sem Schade, Wendlingen. Zum Leserbrief „Einwanderer aus Afrika und Migrationspaket“ vom 6. Dezember. Herr Hummel hat das Gefühl, angelogen zu werden und ich würde hierfür gerne ein paar Anstöße setzen, da ich mich intensiv mit der politischen Lage in Gambia auseinandergesetzt habe.

Gambia…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe