Leserbriefe

Nachdenken, Terror und die Medien

30.07.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Ist es nicht Zeit, darüber nachzudenken? Die Aufregungen in München dieser Tage waren nachträglich betrachtet natürlich eine ungeheure Überreaktion. Die lässt sich aufgrund der allgemeinen Stimmungslage zurzeit natürlich rechtfertigen. Aber die Stimmungslage? Ist da nicht ein ungeheurer Circulus vitiosus im Gange?

70 Prozent der Menschen fürchten sich vor einem terroristischen Anschlag, heißt es. Ist da nicht die Vernunft außer Kraft gesetzt? Jeden Tag sterben allein in Deutschland an die zehn Menschen bei Autounfällen – das ist kaum einer Erwähnung wert. Das sind bis zu 4000 Menschen im Jahr.

Allein in Deutschland. In den Krisenregionen sterben deutlich mehr Menschen im Jahr durch den Terror. Wenn bei uns in Europa mal 100 Menschen bei einem terroristischen Anschlag umkommen, steht Deutschland oder Europa kopf und fürchtet sich. Hat das noch etwas mit Verstand zu tun?

Die Medien berichten jetzt überaus ausführlich, weil die Menschen dies angeblich fordern. Die Menschen fordern das, weil die Medien es so aufregend berichten. Und die Politik muss auf diese „Ängste der Bevölkerung“ reagieren. Geht da nicht die Ratio verloren? Aber die Ängste der Bevölkerung sind doch letztlich durch die Medien erst erzeugt.

Wenn über terroristische Verbrechen genauso berichtet würde wie über die viel häufigeren Verkehrstoten – die Terroranschläge würden sich für die Drahtzieher nicht mehr lohnen. Aber klar: das geht nicht in unserer Gesellschaft, wie sie nun einmal ist. Aber vernünftig ist das alles keineswegs.

Die Medien heizen die Ängste an – und müssen wegen dieser Ängste so ausführlich und angsterregend berichten – und weiter anheizen. Ein Unsinnszirkel. Die Menschen ängstigen sich auf öffentlichen Plätzen. Sie steigen aber weiterhin ohne jede Angst in ihr Auto, das an die tausendmal gefährlicher für sie ist als der Terror. Na ja. Nachdenken?

Leserbriefe

Die Radwegplanung nochmals überdenken

Jochen Krohmer, Unterensingen. Zum Artikel „Grünes Licht für Unterensinger Radweg“ vom 6. Juli. Vorneweg möchte ich begrüßen, dass unsere Gemeinde und der Kreis den Hochwasserschutz nicht vernachlässigen und nun auch den stark in die Jahre gekommenen Radweg sanieren. Die Vorverlegung an die…

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