Leserbriefe

Modern Art auf griechisch

21.02.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Wir sind befreit“ vom 30. Januar. Ein europäisches Erfolgsrezept zur Staatssanierung ist der Schuldenexport. Wenn es nicht unmittelbar die hauseigenen Bürger sein sollen, darf es zunächst auch nur die Solidargemeinschaft sein, der die Rettungsaktion anheimgestellt werden kann. Ist man dann bei Schuldenauflagen, wie schon beim Insolvenzfördern geübt, wieder zu lax und erfährt dabei als Regierung auch noch den Wählergegendruck zu schon bedienten Teilauflagen, muss man als verantwortliche Regierung auch angeschlagen in den Ring von Neuwahlen gehen, um zu retten, was man verbrochen hat. Pech, wenn die Opposition, wie in Griechenland geschehen, bei guter Pressearbeit und Selbstdarstellung die Wiedereröffnung des Paradieses unter ehrlicher Führung verkündet und damit die Absage an Volksgürtel und Ungerechtigkeiten prognostiziert. Wer möchte beim Ablegen dieser Art nicht dabei sein, selbst wenn zurzeit noch nicht ganz klar ist, woher die Mittel dazu kommen sollen?

Irgendwie wird es funktionieren. Überzeugungsarbeit zeigt Wirkung beim Wähler. Eine neue Regierung hält Wort und setzt unter anderem der größten Ungerechtigkeit sofort Grenzen: Geldgebern wird so deutlich in den Hintern getreten, dass ihre Schuld an der griechischen Krankheit unmissverständlich sein muss. Schuld und Schulden können und werden sich anteilig gegenseitig aufheben. Gläubiger sind also in der Verantwortung, ihre Enteignung zu betreiben. Nach dieser Klarstellung bei entsprechender Tonqualität darf sich die neue politische Führung der Griechen erwartungsvoll einen kurzfristigen erholsamen Rückzug in ihre Retsina-getränkten Hirtenhöhlen der trojanischen Epoche gestatten und die Losgelöstheit von überkommenen Formen und einem antiquierten Rechtsverständnis, fern den eigenen Demokratiestiftern, feiern. Geplante Tanzeinlagen auf europäischen Kopfsteinflächen zur weiteren griechischen Volkseinstimmung haben bereits ihre Choreografie.

In den Folgetagen und -nächten werden aber zunächst Bemühungen nötig sein, einen alten bewährten Kriegsteilnehmer zu kontaktieren, um mit dessen Ideenreichtum neue hölzerne Pferde zu kreieren – größere und kleinere, aktuelle, welche mit und ohne Tarnkappe, je nach Erfolgsversprechung. Wer so sehr modernes Erwachsensein demonstriert, dem sollte man die Möglichkeit geben, auf eigenen Füßen zu stehen, um sich außerhalb der Familie seinen eigenen Platz in der Welt zu suchen. Ich denke, das sind wir Griechenland und ähnlich Volljährigen schuldig, wenn Gemeinschaft sie behindert – selbst, wenn es schmerzlich sein wird – schließlich ist Familie Familie.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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