Leserbriefe

Mitarbeiter-Stiftung wäre guter Anfang

22.02.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Schamber, Nürtingen. Zum Artikel „Das heutige China lebt einen guten Kommunismus“ vom 18. Februar. Hierzu bin ich den Mitarbeitern von Putzmeister eine Richtigstellung schuldig. Schon im ersten Absatz spricht Herr Schlecht von einer guten Familie und dass man Kinder loslassen soll, da sie selbst ihren Weg gehen müssen. Genau das wollten die Angehörigen seiner Putzmeisterfamilie tun. Dies wurde jedoch, indem man die Familie, ohne mit ihr zu sprechen oder sie zu fragen, für viel Geld verkauft hat, jäh unterbrochen. Dann wird der Eindruck erweckt, das Unternehmen habe die Krise wegen des Eigenkapitals gemeistert. Kein Wort zu den vielen hundert Kolleginnen und Kollegen, die das Unternehmen verlassen haben oder mussten. Oder zu denen, die trotz zwei Jahre Kurzarbeit und viel Verzicht geblieben sind und fleißig an der Zukunft gearbeitet haben.

Woher Herr Schlecht sein Wissen zu dem spontanen Protest der Firmenangehörigen am Montag, 30. Januar, hat, ist mir nicht bekannt. Er hätte da besser nochmals nachfragen sollen. Persönlich war er nicht anwesend, da er sich auf der Reise nach China befand. Persönlich erklärende Worte für seine Firmenfamilie hätten den Angehörigen, die alles nur aus der Zeitung erfuhren, sicherlich gutgetan. Selbstverständlich habe ich in meiner Eigenschaft als Betriebsratsvorsitzender den Kolleginnen und Kollegen mitgeteilt, dass ich am späten Freitagnachmittag zeitgleich mit der Presse informiert wurde. Dies ist in der Samstagausgabe der Nürtinger Zeitung nachzulesen. Noch am selben Abend habe ich telefonisch auch alle Betriebsratsmitglieder informiert. Den Mitarbeitern dann zu unterstellen, sie waren es nicht selbst, die vor dem Werkstor ihren Unmut und die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust geäußert haben, macht mich betroffen.

Bis auf vier Metaller und zwei Betriebsratskollegen eines befreundeten Unternehmens kamen alle Teilnehmer aus dem Werksgelände und da ich unsere Mitarbeiter noch kenne, kann ich die Firmenangehörigkeit bestätigen. Bestätigen kann sicher auch die anwesende Presse und Fernsehteams, dass kein Bus fremde Protestler angekarrt hat. Hier erinnert sich Herr Schlecht womöglich noch an den Protest zu den angekündigten 680 Kündigungen im Jahr 2009. Damals waren es übrigens auch keine fremden Gewerkschaftler, sondern Mitarbeiter aus dem Werk in Althengstett, die diesmal nicht mehr dabei sein konnten, da das Werk mittlerweile geschlossen ist. Wenn Herr Schlecht, wie in dem Artikel nachzulesen ist, die Meinung hat, die Chinesen tun deutlich mehr für ihre Mitarbeiter und wir können uns hier eine Scheibe abschneiden, so wäre die Zustimmung zu unserer Forderung für eine Mitarbeiterstiftung ein guter Anfang. Eine Mitarbeiterstiftung, finanziert mit einer Scheibe des so überraschend hohen Verkaufserlöses, ist die Möglichkeit, etwas an die Putzmeisterfamilie zurückzugeben.

Leserbriefe

Wir brauchen Parteien, die Mut machen

Patrik Müller, Beuren. Zum Artikel „Die DNA der früheren CDU“ vom 15. September. Frau Kosova kann man zu ihrer gelungenen Integration in Deutschland nur gratulieren. Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich eine aus Usbekistan stammende Frau mit jüdischen Wurzeln, die in…

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