Leserbriefe

Mit dem Wissen wachsen die Zweifel

23.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hellmut Kuby, Nürtingen. Zum Leserbrief „Wachstumswahn und Bahnhof“ vom 19. November. Obwohl der Club of Rome bereits 1972 mit seinem Bericht „Das Ende des Wachstums“ zur Umkehr aufgerufen hatte, hat sich seitdem (weltweit) so gut wie nichts geändert. Warum auch, es geht uns – in Baden-Württemberg besonders – ja so gut. Deshalb kommt die Behauptung, mit dem Ausstieg aus S 21 würden angeblich 1,5 Milliarden Euro verschwendet, beim Schwaben viel besser an als alle Überlegungen gegen den Wachstumswahn. So wundert es mich nicht, dass Befürworter und Gegner von S 21 am Samstag in der Fußgängerzone jeweils nur mit ihrer Meinung recht haben wollten. Mein Resümee nach vier Stunden auf dem Schillerplatz: Entweder du bist für S 21 oder du hast nachgedacht. Zum Beispiel über die Kundenfreundlichkeit (die ganz normale, abgesehen von allen möglichen Unregelmäßigkeiten). Weil viele Wähler, die am Sonntag abstimmen dürfen, Autofahrer und keine Bahnfahrer sind, vergleiche ich für sie die beiden Bahnhofstypen unter diesem Aspekt.

Für seine Heimfahrt von Stuttgart wird dem Bahnpendler zurzeit, also im Kopfbahnhof, auf Gleis zwei mindestens 14 Minuten vor Abfahrt ein Zug bereitgestellt. Das heißt: Ohne Hektik einsteigen, einen guten Platz suchen, lesen oder sich entspannen. Kurz vor Abfahrt füllt sich dann der Zug (in aller Regel) mit den Umsteigern aus anderen Zügen. Anders beim Durchgangsbahnhof S 21: Verweildauer eines Zuges im Bahnhof maximal vier Minuten. Als Beispiel: 18.18 Uhr Ankunft (wenn er pünktlich ist), 18.22 Uhr Abfahrt. Das heißt, bis zur Einfahrt des Zuges müssen alle Passagiere (es können viele sein) auf dem Bahnsteig warten. Nachdem die Angekommenen – es können auch viele sein – ausgestiegen sind, muss man schnell einsteigen und froh sein, einen Sitzplatz zu ergattern. 18.22 Uhr Abfahrt, anders geht – richtiger fährt – es nicht: Der Zug muss raus, er muss Platz machen für den nächsten.

Dürften am Sonntag nur (nachweisliche) Bahnfahrer abstimmen (und die Mitarbeiter der DB), hätte der Tiefbahnhof keine Chance. Als Bahnfahrer weiß ich, wo investiert werden müsste. (Auf unserer 25. Bahnreise im Jahr 2011 kamen wir am 4. November mit 120 Minuten Verspätung in Berlin an.) Wie sagt Goethe: Mit dem Wissen wachsen die Zweifel.

Leserbriefe

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Manfred Reichle, Nürtingen. Zum Artikel „Kompromisse für den Schillerplatz“ vom 8. November. Dass nun ein Baum weniger gefällt werden soll als ursprünglich geplant, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Nun sind zwei Bäume so krank, dass man sie fällen muss – (ein Schelm, wer Böses…

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