Leserbriefe

Merkel an die „frische Luft“?

11.01.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jochen Findeisen, Schlaitdorf. Zum Artikel „Kanzleramt als Jobbörse für Konzerne?“ vom 4. Januar. „Ich selbst nehme mir eigentlich immer vor, mehr an die frische Luft zu kommen“, sagte die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache. Wenn sie in dem Stil weiter macht, den sie soeben in der Personalie Pofalla an den Tag gelegt hat, so werden nicht wenige Bürger den starken Wunsch verspüren, dass diese Kanzlerin alsbald „an die frische Luft“ gesetzt werden sollte.

Der mögliche Wechsel von Ex-Kanzleramtsminister Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn kurz nach der Regierungsneubildung wirft erneut die Frage auf, ob wir in einem Rechtsstaat leben oder in einer Bananenrepublik, in der Politik und Wirtschaft sich gegenseitig die Pöstchen zuschieben. Herr Pofalla ist kein Versorgungsfall. Schon als Abgeordneter würde er circa 8000 Euro im Monat verdienen, obwohl er dieses Amt angeblich aufgeben will. Als Kanzleramtsminister in der vergangenen Legislaturperiode verdiente er pro Monat 13 000 Euro zuzüglich 3600 Euro als steuerfreie Aufwandsentschädigung. Da hätte man doch schon etwas „für alle Fälle“ auf die Seite bringen können. Aber die ständigen Ermahnungen, fürs Alter und andere Zeiten der Erwerbslosigkeit Vorsorge zu treffen gelten nur für den Normalbürger, der von arroganten Politikern und Wirtschaftsbonzen immer wieder verdächtigt wird, er würde zu wenig Eigenvorsorge betreiben.

Als Vorstandsmitglied der Bahn verbessert sich Herr Pofalla weiter; er kann sich dort über ein Monatsgehalt in Höhe von circa 125 000 Euro freuen. Unstreitig ist, dass Menschen mit überdurchschnittlichen Kenntnissen und Fähigkeiten auch überdurchschnittlich verdienen sollen. Ein eher unglücklich verlaufener Auftritt des Herrn Pofalla als Geheimdienstkoordinator, hinterließ bei den Zuhörern den Eindruck, dass die Aktivitäten ausländischer Geheimdienste in diesem unserem Land – vorsichtig gesagt – wohl nicht sein Spezialgebiet sind. Aber vielleicht ist er ein exzellenter Kenner des Bahnwesens? Sollte dies der Fall sein, hätte er mit seinem Wissen in der Vergangenheit schon sehr hinterm Berg gehalten. Es ist deshalb nicht zu erwarten, dass sich ein Bahnvorstand Pofalla dafür einsetzt, dass wir endlich eine Bahn bekommen, die den Bedarf der Bahnbenutzer an guter, erschwing-licher Transportqualität decken kann. Das aber ist der alleinige Zweck der Bahn! Am Beispiel Pofalla bewahrheitet sich das, was auch die „Stuttgart 21“- Gegner der Bahn zu Recht ankreiden: Durch die Zweckentfremdung der Bahn zur Erreichung wirtschaftlicher und politischer Ziele einiger Weniger geht die Reise nicht in Richtung Bürgerbahn, sondern in Richtung „Bonzenbahn“. Und die Kanzlerin schweigt dazu!

Leserbriefe

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