Leserbriefe

Melchior-Areal: Jeder wurstelt vor sich hin

04.01.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Maile, Nürtingen. Zum Artikel „Verschiebung der Gemeinderatsentscheidung begrüßt“ vom 21. Dezember. Braucht Nürtingen ein Kunst- und Kulturzentrum an einer der attraktivsten Stellen am Neckar? Schon liegen Architektur-Pläne und Modelle vor. Man wünscht sich „Visionen“ für die Stadt und meint doch ein „Gebäude“. Dass die Initiative den zweiten Schritt vor dem ersten geht, kann man ihr nicht verübeln. Die Sorge, dass an dieser Stelle etwas geplant wird, was der städtebaulichen Lage und der öffentlichen Relevanz unangemessen ist, ist nachvollziehbar.

Wenn man sich die öffentlichen Orte am Neckar anschaut, tut’s einem weh: Der Schlachthof ist ein attraktives Areal mit einer guten Mischung geworden. Am Neckar gelegen, schauen die Menschen dort in einen schönen, aber geschlossenen Innenhof, der Blick auf den Neckar ist den Autos vorbehalten. Manchmal gelingt es, Stadtverwaltungen und Bürger mit Gebäudeentwürfen zu begeistern. Aber eine tragfähige Planung fängt bei der Diskussion der Anforderungen an: Was wollen wir an dieser Stelle am Neckar in Zukunft machen? Welche Funktionen brauchen wir dort? Und darin liegt das erste Problem der aktuellen Diskussion. Es geht um ein „Kunst- und Kulturzentrum“.

Anstatt gemeinsam über Möglichkeiten und Anforderungen für den Standort zu diskutieren, fokussieren sich die Verantwortlichen auf ein Gebäude und die FKN. Aber braucht es genau an dieser Uferfläche Künstlerateliers? Die FKN funktioniert auch an anderen Stellen in der Stadt. Ich habe durchaus Sympathie für regionale Eigenarten der Planung. Aber eine Vorgehensweise gemäß dem „Reiner-Pavillon“ ist nicht mein Ansatz: Erst Architektur machen, dann bauen, dann überlegen, wer das bezahlen soll, dann, wofür es nützlich sein soll und dann feststellen, dass es dafür nicht richtig gebaut ist (siehe Akustik).

Gut, dass die Gemeinderäte belastbare Zahlen sehen wollen und die Ideen kritisch diskutieren. Aber welche Alternativen bieten sie uns derzeit an? Gut, dass sich alle Beteiligten erst einmal eine Pause verordnet haben. Aber wofür? Und da zeigt sich das zweite Problem. Es gibt derzeit keine gemeinsame Sicht der Stadtverwaltung, des Gemeinderates und der Bürger auf dieses Gelände. Jeder wurschtelt vor sich hin. Man lässt andere eher scheitern, anstatt zusammen an einer Zukunfts-Idee zu arbeiten.

Ich wünsche mir, dass ein gemeinsames und grundsätzliches Nachdenken über dieses Gelände beginnt – gedanklich befreit von den „Altlasten“ dort und offen für Ideen für ein attraktives, wirtschaftlich zu betreibendes öffentliches Gelände mit einer für Besucher interessanten Funktions-Mischung, einer hohen Aufenthaltsqualität und einem offenen Blick auf die gegenüberliegende Stadtkulisse.

Leserbriefe

Schulen können selbst bestimmen

Heinz Vogel, Oberboihingen. Zum Artikel „Vorletzter bei Ganztagsschule“ vom 18. Oktober. Interessant, dass jetzt die Bertelsmann-Stiftung bestimmt, was gut und was schlecht ist. Zu den Fakten: Die Einführung einer Ganztagsschule im Ort bestimmt laut Gesetz der Schulausschuss einer Schule,…

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