Leserbriefe

Mehr Weiblichkeit zulassen

22.02.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gabriele C. Kapp, Unterensingen. Zum Artikel Und ewig lockt die Pauli vom 19. Februar. Während sich auf der Titelseite der NZ ein völlig überflüssiger sexistischer Beitrag auf Kosten der Politikerin Gabriele Pauli tummelt, wird auf Seite 13 wieder der immense Schaden der Frauen an der Gesellschaft beschworen. Diesmal schädigen die weiblichen Lehrer die Jungs, diese haben nämlich keine männlichen Identifikationsfiguren. Die fehlten allerdings auch den Mädchen und Frauen der Vergangenheit, nachdem sie mit wenig männlicher Unterstützung endlich die Abschaffung der Bildungs-und Berufseinschränkungen erkämpften und nach 60 Jahren sowohl in Sprache als auch Geschichte und Politik bis heute gerade mal 20 Prozent Anteil haben!

Welche Identifikationsmöglichkeiten haben eigentlich Frauen allgemein und Lehrerinnen im Besonderen, die von ihren männlichen Vertretern allein gelassen auch noch für die Misere der Jungs verantwortlich gemacht werden? Werden sie als Kulturschöpferinnen in der Gesellschaft ihrer Leistung entsprechend wertgeschätzt und honoriert? Wie die Starköchin Sarah Wiener jüngst in einem Interview sagte: Wo es Geld und Prestige gibt, da gibt es auch Männer. Ich möchte hinzufügen: patriarchale Männer. Denn die modernen Männer, die sich für Gleichwertigkeit einsetzen, werden oft bemitleidet, ausgelacht und lächerlich gemacht. Nicht selten von ebenso rückwärtsgewandten patriarchalen Frauen.

Schon für die kleinen Jungs im Kindergarten beschränkt ein wortstarker Führer die Bedürfnisse der anderen Jungs: Ich spiel doch nicht mit Mädchen, oder der Ausspruch Benimm Dich doch nicht wie ein Mädchen ist derzeit die schlimmste Beleidigung im Grundschulbereich. Allerdings werden ab der fünften Klasse noch ganz andere die Weiblichkeit diskriminierende Worte auf und außerhalb der Pausenhöfe Standard. Die in keiner Weise die Realität darstellende öffentliche Vermarktung von Weiblichkeit als allgegenwärtiger, kostenloser Selbstbedienungsladen nimmt unseren Jungs nicht nur die Chance, ihre Schwester, Mutter, Tante, Cousine oder Lehrerin wertzuschätzen, sondern auch die weibliche Hälfte in sich selbst. Im Gegenteil, oft werden die Jungs auch noch motiviert, sich von der Mutter und dem Weiblichen abzugrenzen, bevor sie jemals wirklich zu ihr hin konnten. Umgekehrt findet das nie statt, weil ein bedeutender vorgegaukelter Werteunterschied zwischen Papakind und Mamakind besteht! Nur wenn alle Kinder und nicht nur die Kinder beide Grundprinzipien wertschätzend in sich integrieren können (das lineare, sogenannte männliche, und das zyklische, sogenannte weibliche, die sich jeweils quantitativ aufeinander beziehen können müssen), kann sich ihr ganzes Potential entfalten. Gewalt wäre eine Ausnahme in Schule und Gesellschaft.

Leserbriefe

Was sagt die Bibel zur pflanzlichen Ernährung

Arabella Unger, Frickenhausen. Zum Leserbrief „Vernünftig ernähren mit hochwertigem Fleisch“ vom 1. Dezember. Es wird behauptet, dass aus der Bibel hervorgehe, dass man immer schon Fleisch gegessen habe. Anders steht es jedoch im ersten Schöpfungsbericht (1. Mose 1, 30–31), nämlich dass Gott…

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