Leserbriefe

Mehr Förderung für Kulturtreibende

13.10.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kai Hansen, Nürtingen. Von 29 000 Wahlberechtigten haben 60 Prozent auf die gespaltene Stimmung in Nürtingen mit Nicht-Wahl reagiert. Von denen, die gewählt haben, haben wiederum 58 Prozent für eine Veränderung der jetzigen Situation gestimmt. Die notwendige Stichwahl erhöht die Chance zur Veränderung. Was sollte sich verändern? Es ist ein Fehler, die Bürger wie Unmündige zu behandeln. Der gute Stil ergibt sich daraus, wie nachvollziehbar, verbindlich und akzeptabel man sich den Bürgern gegenüber verhält. Die wollen zukünftig nicht, wie beim Großen Forst, mit Rechtsgutachten mundtod gemacht oder für inkompetent erklärt werden. Die Bürger wollen, dass bei signifikanten Eingriffen in die städtische Substanz – wie beim Wörth-Areal, dem Heim-Gelände, dem Hölderlin-Haus, der Platzgestaltung an der Kreuzkirche – städtebaulich fundierte Kriterien und bürgerliche Vernunft zum Tragen kommen. Dazu braucht es positive und geteilte Entwicklungsbilder unserer Stadt – ein Konzept. Mit situativen Einzelmaßnahmen geht es in die Irre.

Es kann nicht angehen, dass der Gemeinderat im Sinne von konjunkturellen Investoren-Interessen langfristig sich auswirkende Stadtentwicklung betreibt und die Bürger mit unwirksamen Alibi-Beteiligungen stillstellt. Auch das Missverhältnis von 1,4 Millionen Euro jährlichem Minus bei der Stadthalle zu der sukzessiven Schlechterstellung der kulturtreibenden Vereine und Initiativen bis hin zur Vertreibung der Kunstschule zugunsten eines „Weinerlebnislandes“ am Neckar geht auf keine Kuhhaut. Die städtische Förderung der Kulturvereine erreicht kaum ein Prozent des Minus, das die Stadthalle jährlich einfährt. Es geht um Belebung und Erhalt von Pluspunkten, nicht um Vermeidung von Minus durch Raubbau. In den letzten Jahren ist in Nürtingen kulturell weit mehr verschwunden als entstanden. Das Klima ist nicht mehr gedeihlich. Das muss und das kann geändert werden. Nürtingen braucht ein anderes Führungsverständnis, das Passivität und freundliche Anpassung überwindet. Wir brauchen eine Kompetenz, die für eine sachlich tragfähige und gemeinsame Lebensqualität sorgt. Es soll niemand die faule Ausrede verwenden, das sei eine Frage des Geldes. Es besteht immer eine Wahl und wir haben die Möglichkeit, den jetzigen schlechten Zustand zu verändern.

Leserbriefe

Bürgermeister nicht gehen lassen

Helmut Weber, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Einem Bürgermeister reicht es“ vom 9. Februar. Die Rede ist von Lorenz Kruß aus Aichtal. Wenn Bürger- und Stadträtebeteiligung am öffentlichen Leben nicht mehr den Anstand einer zivilisierten Auseinandersetzung kennen und sich unsinnigerweise…

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