Leserbriefe

Mehr Bürgernähe statt farbige Container

18.06.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Wohncontainer für 40 Personen“ vom 9. Juni. Die Stadtverwaltung hat Skizzen veröffentlicht. Es gibt sogar eine Fotomontage: Zehn farbige Container auf der Roßdorfer Nanzwiese. Wie ein geglücktes Selfi: Schaut alle her, das bin ich in meiner ganzen Pracht! Rechts davon duckt sich die Kirche. Dahinter schweigt Liebermann 8. Und links davon ragt der Monolith des Liebermann 1 in die Wolken, als ob er sich am liebsten in selbige wegheben wollte. Alle drei betongrau in betongrau. Das gängige Bild, welches der Mensch im Tale seit Jahrzehnten von unserem bemitleidenswerten Stadtteil hat.

Stadtverwaltung und Gemeinderat tun da das einzig Richtige. Sie hübschen die Lebensverhältnisse eines sozialen Brennpunkts auf. Mit bunt bemalten Containern auf unserer Lieblingswiese. Die Namen unserer Straßen – lauter berühmte Maler stehen Pate – klangen seit über 40 Jahren wie blanker Hohn angesichts der grauen Quader, die auch durch Blüten und Blätter ihre Tristesse nicht kaschiert bekommen. Jetzt aber würden die toten Meister des Pinsels wonnevoll jubeln: Endlich Farbe auf die blanke Leinwand! Zehn Container in Gelb, Orange und Rot sollen bald das depressive Dickicht erhellen. Da dämmert ein Stadtteil jahrzehntelang dahin – nun wird er endlich mit großzügigen Farbtupfern aus dem Dornröschenschlaf geküsst.

Man hätte zwar gerne mit dem Herrn Oberbürgermeister darüber gesprochen, was er bei uns vorhat. Rechtzeitig. Also vor seinen Beschlüssen. Das hatte er auch vor einem Jahr versprochen. Dabei aber wohl gedacht, wozu reden mit den Halsstarrigen, denen die Höhenluft zu Kopfe steigt? Ein bunter Strauß sagt uns mehr als tausend Worte. Und so stimmen wir uns farbenfroh ein auf diesen Moment, wenn das Stadtoberhaupt Ende Juni mit seinen Granden auf den Berg steigt. Adventus nannten das früher die Bewohner der römischen Provinzen rund ums Mittelmeer: Ankunft des Allerhöchsten, mit Geschenken, Amnestien, Brot und Wein in Fülle. Im Roßdorf geht es um Fragen zu Beschlüssen, die längst gefasst sind. Geliebte gelebte Bürgernähe.

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